Paolo Macchiarini. Foto: TT
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Paolo Macchiarini (Foto: TT)
Fragwürdige Transplantationen

Luftröhren-Affaire am Karolinska

„Gefahr einer Vertrauenskrise“
3:54 min

Das Forschungsinstitut Karolinska Institutet bei Stockholm untersucht erneut die Arbeitsweise des Chirurgen Paolo Macchiarini. Bereits vor mehreren Jahren war die Arbeit des italienischen Spezialisten für Luftröhrentransplantationen Kritik ausgesetzt.

Sowohl der Vorsitzende des Leitungsrats der medizinischen Universität, Lars Leijonborg, als auch Vetenskapsrådet, die staatliche Behörde zur Forschungsaufsicht, fordern eine unabhängige Untersuchung der Arbeit von Paolo Macchiarini und der Handlungsweise von Karolinska Institutet.

 

„Nach allen Diskussionen finden wir es notwendig, dass alles, was im Rahmen dieser Affäre am Karolinksa Institutet geschehen ist, eingehend durchleuchtet wird“, erklärt Lars Leijonborg im Schwedischen Rundfunk.


Was ist geschehen?

Der Starchirurg Paolo Macchiarini tat, was keiner seiner Kollegen zuvor gewagt hatte: Er operierte Menschen künstliche Luftröhren ein. Aber seine Tätigkeit zieht Vorwürfe über Forschungsbetrug, polizeiliche Anzeigen gegen seinen Arbeitgeber, Karolinska Institutet, Todesfälle und persönliche Tragödien nach sich.

 

Gewebe aus dem Bioreaktor

Die Forschungsabteilung von Karolinska Institutet stellte den Chirurgen Paolo Macchiarini im Jahr 2010 an. Im Universitätskrankenhaus sollte der Arzt zusammen mit dem anderen Personal künstliche Körperteile und Stammzellen herstellen. Damit bräuchte das Krankenhaus sich bei Transplantationen nicht ausschließlich auf Spenderorgane zu verlassen, sondern hätte nahezu unbegrenzte Reserven an kostengünstigeren, künstlichen Alternativen.

 

Einige Monate später wurden Macchiarini und Karolinska Institutet durch die weltweit erste Transplantation einer künstlichen Luftröhre berühmt. Er hatte ein Luftröhrengerüst aus Kunststoff mit Stammzellen seines Patienten versehen, diese in einem Bioreaktor heranwachsen lassen und dann einopereriert. 

 

Aber die neue Technik war völlig unerprobt, nicht einmal Tierversuche hatte man gemacht. Dennoch wandten sich viele schwerkranke Menschen in der Hoffnung auf Heilung an Macchiarini.

 

Unsichere Methode

Er führte in Schweden drei ähnliche Operationen durch und mindestens vier weitere in anderen Ländern. Von diesen insgesamt acht Patienten sind nur noch zwei am Leben.

 

Im Herbst 2014 zeigten vier Ärzte Macchiarini an, weil es keine Studien oder Beweise dafür gab, dass seine Methode funktionierte. Obgleich auch ein externer Sachverständiger den Kritikern Recht gab, behielt die Leitung von Karolinska Institutet ihren berühmten Spezialisten. Seine Operationen seien kein Verstoß gegen die ethischen Regeln gewesen, da er schwer kranke Menschen operiert habe, die auch ohne Operation gestorben wären, begründete Karolinska. Die Behandlung sei daher eher als Pflege denn als Forschung zu betrachten.

 

Die eigenen Forschungsberichte des Mediziners wiesen enorme Erfolge aus. In Dokumentarfilmen des Schwedische Fernsehens hingegen erklärten einige von Macchiarinis Patienten, dass sie sich betrogen fühlten, in den Programmen wurde auch gezeigt, wie mehrere Eingriffe verlaufen waren und welche Kritik andere Chirurgen vorzubringen hatten.

 

Besorgnis

Forschungsministerin Helene Hellmark Knutsson fürchtet nun um den Ruf von Schwedens führender medizinischer Universitätsklinik. Schließlich bestimmt Karolinska Institut, wer den Nobelpreis in Medizin bekommt, vereinigt fast die Hälfte der medizinischen Forschung des Landes und möchte sich als eine der besten medizinischen Forschungseinrichtungen der Welt betrachten.

 

„Es besteht die Gefahr, dass Karolinska Institutet in eine Vertrauenskrise gerät“, so die Ministerin zur Nachrichtenagentur TT. „Daher muss genau analysiert werden, wie der Fall gehandhabt worden ist. Die schwedische Forschung muss vertrauenswürdig sein!“




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