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Schwedische Rentiere
Agneta Silversparf. Foto: SVT Nyheter Norrbotten
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Agneta Silversparf (Foto: SVT Nyheter Norrbotten)
Stefan Mikaelsson, Vorsitzender des schwedischen Samenparlaments (Foto: Lena Callne/Sveriges Radio)
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Stefan Mikaelsson, Vorsitzender des schwedischen Samenparlaments (Foto: Lena Callne/Sveriges Radio)
Mangelnde Gleichberechtigung bei Rentierbesitzern

Veraltete Gesetze verwehren Saminnen Stimmrecht

2:43 min

Eine unzeitgemäße Gesetzgebung behindert die Gleichstellung unter schwedischen Rentierhaltern. Obgleich fast die Hälfte aller Rentierbesitzer Frauen sind, haben fast überall Männer die leitenden Posten inne.

„Für Jugendliche und vor allem für junge Frauen ist es schwer, in der Eigentümergemeinschaft Einfluss zu nehmen“, sagt Agneta Silversparf im Schwedischen Fernsehen. Sie hat lange für ihre Mitgliedschaft in der Renzüchtergemeinschaft von Udtjá kämpfen müssen. Schließlich wurde sie aufgenommen, weil sie einen Mann heiratete, der bereits Mitglied war, erzählt sie weiter. Stimmrecht hatte sie damit aber noch nicht.

 

Altväterliche Gesetzgebung

51 solcher Gemeinschaften von Rentierhaltern, Samendörfer genannt, gibt es insgesamt in Schweden. Diese Gemeinschaften sind für die Rentierhaltung in ihrem jeweiligen Gebiet zuständig. Sie werden von einem Vorsitzenden geleitet, den die Mitglieder wählen. Gerade mal drei Züchtergemeinschaften haben weibliche Vorsitzende.

 

Einer der Gründe ist das schwedische Renhaltungsgesetz aus dem 19. Jahrhundert, das zwar 1971 aktualisiert wurde, aber heute nicht mehr als zeitgemäß gilt. Nach dem Gesetz hat die Person, die mit den Rentieren arbeitet, Stimmrecht in der Gemeinschaft. Es gilt das Prinzip: eine Familie, eine Stimme – und die hat meist der Mann.

 

Alle arbeiten mit

Agneta Silversparf bezeichnet dieses Gesetz als überholt. Ihrer Ansicht nach sind alle Mitglieder einer Rentierzüchterfamilie gleichermaßen an der Haltung der Tiere beteiligt, auch, wenn sie unterschiedliche Aufgaben haben.

 

„Ohne die Arbeit der Frauen zuhause und bei der Rentierhaltung an der Seite des Mannes, würde das nicht gehen. Die Männer würden ohne die Mitarbeit der Frauen nicht zurechtkommen.“

 

Von den gut 4.600 Personen, die Rentiere besitzen, sind ungefähr 40 Prozent Frauen. Aber weil es schwer ist, beispielsweise hochschwanger oder stillend in Wald und Weide tätig zu sein, arbeiten die Männer in den Familien häufig aktiver mit der Rentierhaltung.

 

Wenig Bewegung

Gleichstellung scheint in der samischen Welt ebenso schwierig zu sein wie in der Geschäftswelt. Der Vorsitzende des schwedischen Samenparlaments, Stefan Mikaelsson, hat sich bereits vor einem Jahr im Schwedischen Fernsehen für Veränderungen ausgesprochen, die den Frauen mehr Rechte geben. Bisher hat sich nichts getan, aber er gibt nicht auf:

 

„Wir müssen das Thema aufgreifen und versuchen, die Situation zu verändern. Die heutigen Regelungen sollen ja niemandem Schaden zufügen. Aber eine bessere Beteiligung von Frauen in den samischen Organisationen würde die samische Kultur vermutlich fördern.“

 


Rentierwirtschaft

Sameby – (wörtl. Samendorf) Wirtschaftsgemeinschaft von Rentierbesitzern, deren Hauptverantwortung die Weiderechte in einem bestimmten Gebiet sind. In Schweden gibt es 51 solcher Gemeinschaften. Neue Mitglieder müssen keine Samen sein und werden von den anderen Mitgliedern gewählt. Kinder und Ehepartner sind automatisch Mitglieder.

 

Rentiere – gemäß dem schwedischen Gesetz muss man Mitglied einer Gemeinschaft von Rentierzüchtern sein, um Rene halten zu dürfen.

 

Rentierhalter – Person, die für die Rentierhaltung verantwortlich ist. Ähnlich wie bei Schäfern braucht sie aber nicht Besitzer der Tiere zu sein.

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