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Im Jahr 2000 erhielt er den Nobelpreis für Medizin aus der Hand von König Carl XVI. Gustaf. Jetzt sieht Arvid Carlsson den guten Ruf des Preises in Gefahr ( Foto: Jonas Ekströmer/ TT)
Karolinska Institutet

Skandal wirft Schatten auf Nobelpreis

"Der Vorstand muss zurücktreten"
3:35 min

Die Affäre um den umstrittenen Chirurgen Paolo Macchiarini hat das Ansehen des Karolinska Institut erschüttert.

Der schwedische Nobelpreisträger Arvid Carlsson fordert den Rücktritt der Verantwortlichen. Gleichzeitig ist der Ruf des Institutes, das jedes Jahr den Nobelpreis für Medizin vergibt, in Gefahr.

Jahrelang hatte der italienische Chirurg Paolo Macchiarini am Karolinska Institut mit seinen Operationen an der Luftröhre brilliert. Nun war herausgekommen, dass der Verdacht besteht, Macchiarini habe bei seinen Forschungen betrogen. Die Technik mit künstlichen Luftröhren ist kaum erprobt. Sechs von acht Patienten sind verstorben. Macchiarini musste gehen. Karolinksa Institutet hat eine unabhängige Untersuchung eingeleitet.

Nobelpreisträger fordert Rücktritt

Doch es steht mehr auf dem Spiel. Karolinska ist für die Verleihung des Medizin-Nobelpreises verantwortlich. Der Ruf des Hauses muss gewahrt bleiben, um nicht dem Ansehen des Nobelpreises zu schaden, meint Arvid Carlsson.

Der schwedische Nobelpreisträger für Medizin im Jahr 2000 fordert deshalb Tabula rasa: „Der gesamte Vorstand von Karolinska Institutet muss zurücktreten. Auch der Rektor und alle, die damit zu tun haben. Die dürfen keine verantwortungsvolle Position innehaben. Sie dürfen vor allem nicht das Stimmrecht in der Versammlung haben, die den Nobelpreisträger ermittelt.“

Von dem 49-köpfigen Gremium sind mehrere Mitglieder in die Affäre Macchiarini verwickelt und haben sich für den italienischen Chirurgen und dessen Forschung eingesetzt. Einer von ihnen ist Professor Urban Lendahl. Er ist von seinem Amt als Sekretär der Nobelversammlung zurückgetreten, bleibt aber weiter Mitglied des Gremiums. Der Vorsitzende der Nobel-Versammlung Rune Toftgård ist beunruhigt:

„Es ist selbstverständlich klar, dass das nicht gut ist, wenn Mitglieder der Nobel-Versammlung mit hineingezogen werden. Es besteht das Risiko, dass der Ruf unserer Nobelarbeit darunter leidet. Das wäre sehr unglücklich.“

Unabhängige Ermittlungen

Toftgård hofft jetzt auf die unabhängigen Ermittlungen und deren Ergebnisse, wie er dem Schwedischen Fernsehen erklärt. „Wir wollen dem nicht vorgreifen. Wenn das Vertrauen in einige Mitglieder durch die Ergebnisse leidet, werden wir dann dazu Stellung beziehen.“ Auch der Vorsitzende der Nobel-Stifung, Carl-Henrik Heldin, sieht noch keine unmittelbare Gefahr für den Nobelpreis – auch wenn die Auszeichnung in den letzten Jahren internationale Konkurrenz bekommen habe.

„Langfristig besteht kein Risiko. Vielleicht jetzt unmittelbar. Ja, es stimmt, dass der Nobelpreis Konkurrenz bekommen hat. Unser Vorteil ist aber, dass wir das jetzt schon 115 Jahre lang machen. Die Preisträger werden mit einer unwahrscheinlich hohen Sorgfalt ausgewählt. Unsere Stellung ist aktuell nicht gefährdet. Aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Wir müssen uns weiter anstrengen und alles richtig machen.“

Heldin hat auch weiter Vertrauen in Karolinska Institutet, wie er dem Schwedischen Rundfunk erklärt: „Das Karolinska Institut ist für den Nobelpreis in Medizin verantwortlich. Das hat Alfred Nobel in seinem Testament so festgestellt. Diese Aufgabe hat es in den letzten 115 Jahren außerordentlich gut gemacht. Ich vertraue darauf, dass dies weiter sehr gewissenhaft gemacht wird. Aber in eigenem Interesse muss Karolinska Institutet die Macchiarini-Affäre in den Griff kriegen.“

Lena Petterson (SVT), Johar Bendjelloul/Dieter Weiand

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