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Kinderbuch Schweden Angst
Autorin Gunilla Bergström mit ihrem Angst machenden Geschöpf Alfons Åberg alias Willi Wiberg (Foto: Torbjörn Gustafsson/TT) Foto: Foto: Torbjörn Gustafsson/TT
Nach Protest der Eltern

Willi Wiberg beschert schlaflose Nächte

"Was bleibt denn dann noch übrig?"
4:50 min

Eklat im Kindergarten „Sadelmakarebyn“ im südschwedischen Malmö. Dort wurde ein Kinderfilm von Willi Wiberg gezeigt. Weil ihr Kind anscheinend dadurch Alpträume hatte hat ein Elternpaar hat Einrichtung bei der Schulaufsichtsbehörde angezeigt.

Während die Schule bis auf weiteres alle Filmvorführungen eingestellt hat, sorgen sich Psychologen und Politiker um das Klima in der Gesellschaft.

Willi Wiberg – auf Schwedisch Alfons Åberg – gehört zur klassischen schwedischen Kinderliteratur. Kinder auf der ganzen Welt haben die Geschichten des kleinen schwedischen Jungen vorgelesen bekommen oder als Film gesehen.

Jetzt soll der Film „Willi und das Monster“ zu Alpträumen eines Kindes geführt haben. Dies behauptet ein Elternpaar, dass den Kindergarten, wo der Film gezeigt wurde, Mitte Januar bei der Schulaufsichtsbehörde angezeigt hat. Der Film erzählt davon, wie Willi eines Abends glaubt, dass unter seinem Bett ein Monster ist.

Behörde eingeschaltet

Die Schulaufsichtsbehörde hatte die Stadt Malmö um eine Stellungnahme gebeten. Der Kindergarten hat danach entschieden, dass vorrübergehend keine Filme gezeigt werden. Leiterin Eva Danerhall begründet die Entscheidung im Schwedischen Rundfunk: „Klar ist das die Auffassung der Eltern. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen. Nach diesem Gespräch haben wir entschieden, dass wir vorrübergehend keine Filme sehen. Wir werden später entscheiden, was für Filme wir in Zukunft zeigen werden.“

Eva Dannerhall räumt gleichzeitig ein, dass ihr das in ihrer langjährigen Karriere als Kindererzieherin und auch als Mutter noch nicht vorgekommen sei. Auch in der schwedischen Öffentlichkeit herrscht größtenteils Unverständnis. Einer der Filmemacher, Pelle Svensson, gibt sich verzweifelt. Der Film werde seit 25 Jahren gezeigt und wurde von Millionen Kindern gesehen. Es sei das erste Mal, dass sich Eltern darüber aufregten, sagt Svensson der Tageszeitung Sydsvenskan.

Politiker mit Bedenken

Der liberale Abgeordnete im Bildungsausschuss des Reichstages, Christer Nylander, erklärt in der Tageszeitung Aftonbladet, dass selbst im Kindergarten darüber gesprochen werden müsse, dass es im Leben auch unbehagliche Momente gebe, mit denen die Kinder umgehen müssten.

Der Psychologe und Buchautor David Eberhard ist in Schweden dafür bekannt, dass er die schwedische Gesellschaft für zu verweichlicht hält und eine Tendenz sieht, sich gegen alles abzusichern. Angesichts der aktuellen Ereignisse warnt Eberhard vor einer gefährlichen Entwicklung:

„Natürlich sollen Menschen sagen dürfen, dass sie sich gekränkt fühlen oder Angst haben. Aber das darf nicht zu weit gehen. Denn dann gibt es bald nichts mehr auf dieser Welt, das nicht irgendein Individuum als kränkend oder Angst einflößend auffasst. Wenn man nicht objektive Maßstäbe ansetzt, dann geht irgendwann einmal nichts mehr. Das klassische Beispiel ist die Wohnungsgemeinschaft, wo nicht mehr gegrillt werden darf, weil ein einziger Mensch sich dadurch gestört fühlt.“

Kein Vetorecht

Laut Medienberichten haben andere Eltern nicht auf die umstrittene Filmvorführung reagiert. Eine offizielle Stellungnahme der protestierenden Eltern gibt es nicht. Rektorin Danerhall räumt ein, dass einzelne Eltern kein Vetorecht bei Aktivitäten des Kindergartens haben dürfen, so sei das auch nicht in diesem Fall: „Wir werden weiter Filme sehen. Aber wenn so etwas passiert, muss man innehalten und sich Gedanken über seine Aktivitäten machen.“

David Eberhard hofft unterdessen, dass man nicht zu lange innehält. Für den Psychologen handelt es sich hier um eine Art Zensur: „Ich habe darüber schon viel geschrieben. In einer idealen Welt hat das keine Bedeutung. Aber wenn man nicht darauf vorbereitet ist, dass das Leben auch schwierig und nicht alles zurechtgelegt sein kann, dann ist das Risiko groß, dass man vor Allem Angst hat. Das hier ist der Anfang der ‚Trigger-warning-Debatte‘, die in Schweden noch nicht so ausgeprägt ist wie in den USA. Da geht es dann darum, dass alle Meinungsinhalte, die nicht in das Weltbild passen, zensiert werden. Wenn man also schon im Willi-Wiberg-Alter damit anfängt, Willi Wiberg zu zensieren, was bleibt denn dann noch übrig?“

Derweil gilt der zeitweilige Filmstopp nur für den betroffenen Kindergarten „Sadelmakarebyn“. Andere Kindergärten in Malmö dürfen noch frei entscheiden, was sie ihren Mädchen und Jungen zumuten können.

Odd Clausen (Studio Ett) / Dieter Weiand

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