Volkswirt Lars Calmfors
Volkswirt Lars Calmfors. Foto: TT
Arbeitsmarkt

Expertenrat: Niedriglöhne für Flüchtlinge einführen

3:46 min

Der Rat für Arbeitsmarktökonomie hat die schwedischen Gewerkschaften aufgefordert, zwecks besserer Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt niedrigere Gehälter zu akzeptieren.

Die vergleichsweise hohen Einstiegsgehälter in Schweden stellten für viele Zugewanderte eine Hürde dar, steht in dem von der Arbeitgeberorganisation Svenskt Näringsliv finanzierten Gutachten. Um mehr Flüchtlinge in Schweden in Arbeit zu bringen, müssten die Gewerkschaften nachgeben, sagte der Vorsitzende des Expertenrates Lars Calmfors im Schwedischen Rundfunk.

"Mindestlöhne senken"

„Diese Jobs könnten für alle neuen Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt geeignet sein, die es ansonsten nicht schaffen, eine andere Arbeit zu finden. Dies richtet sich nicht ausschließlich an Einwanderer, sondern etwa auch an junge Erwachsene. Ohne größere Gehaltsunterschiede in Schweden wird es unserer Auffassung nach nicht möglich sein, das Beschäftigungsproblem zu lösen. Dies bedeutet, dass die hohen Mindestgehälter in Schweden gesenkt werden müssen.“

Mindestlöhne sind in Schweden nicht Aufgabe des Staates; vielmehr obliegen die Gehälter ausschließlich den Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden. In Sachen niedrigere Einstiegsgehälter für Neuankömmlinge mehren sich in jüngster Zeit die Appelle an die Gewerkschaften. Kürzlich hatte der Finanzpolitische Rat – eine Behörde, die die Finanzpolitik der Regierung durchleuchtet – die Tarifparteien aufgefordert, ein Sonderabkommen speziell für Flüchtlinge mit niedrigerer Berufsqualifikation abzuschließen.

Restaurant und Einzelhandel

In dasselbe Horn stößt nun der neue Rat für Arbeitsmarktökonomie – ein, laut eigener Darstellung, Expertengremium, das unabhängige Empfehlungen zur Gestaltung des Arbeitsmarktes geben soll. Kritiker sehen in dem Rat allerdings vorrangig einen verlängerten Arm des schwedischen Arbeitgeberverbandes Svenskt Näringsliv.

Laut dem jüngsten Vorstoß sollen neue Einstiegsjobs geschaffen werden, die auf drei Jahre gelten und den Arbeitgebern durch Steuernachlässe schmackhaft gemacht würden. Zuschüsse könnten dem Einstiegs-Jobber zusätzlich unter die Arme greifen. Ein Großteil dieser neuen Niedriglohnjobs soll in der Restaurantbranche und im Einzelhandel entstehen.

15.000 Kronen im Monat

Die mittleren Einkommen müssten dabei auf 50 Prozent runtergefahren werden, schlägt Lars Calmfors vor. „Die Monatsgehälter könnten sich in der Größenordnung von etwa 15.000 Kronen (etwa 1.600 Euro) bewegen. Dies ist allerdings nur meine persönliche Ansicht. Der Rat für Arbeitsmarktökonomie hat dies nicht so in seinem Bericht festgelegt.“

Der Gewerkschaftsdachverband LO kann den Niedriglohnvorschlägen nicht viel abgewinnen. „Laut unserer Einschätzung würden sich solche niedrigeren Löhne auch auf andere Teile des Arbeitsmarktes ausbreiten. Es besteht hier das Risiko, dass sehr viele Arbeitnehmer niedrigere Gehälter kriegen würden“, sagte der Chef-Volkswirt von LO, Ola Petterson.

"Mit Arbeitskraft, nicht mit Löhnen konkurrieren"

Auch seitens der Gastronomie-Gewerkschaft ist ein spezielles Tarifabkommen für Flüchtlinge mit geringer Berufsqualifikation nicht akzeptabel. „Nicht mit geringeren Gehältern, sondern mit der eigenen Arbeitskraft soll man konkurrieren. Ungleiche Löhne, abhängig davon, aus welchem Land man stammt, sind völlig absurd. Für die gleiche Arbeit muss der gleiche Lohn gezahlt werden – unabhängig davon, ob man in Damaskus oder Göteborg geboren ist“, so die Vorsitzende der Hotel- und Restaurantgewerkschaft, Therese Guovelin.

Schweden sticht mit seiner Statistik zur Arbeitslosigkeit bei Zugewanderten negativ heraus. Die Arbeitslosigkeit von im Ausland Geborenen liegt hierzulande fünfmal höher als bei in Schweden Geborenen. In der ganzen OECD funktioniert die Integration auf dem Arbeitsmarkt nur in Norwegen noch schlechter.


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