Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på https://kundo.se/org/sverigesradio/
Gewalt gegen Frauen

Psychiatrie-Personal hilflos bei sexuellen Übergriffen

Publicerat tisdag 16 februari 2016 kl 13.55
"Schweden muss vielleicht Schadenersatz zahlen"
(4:13 min)
Man tafsar. Foto: Sveriges Radio
Labile Frauen in der Psychiatrie bekommen bei Grabschereien durch Mitpatienten vom Personal oft zu hören, sie könnten sich ja woanders hinsetzen (Foto: Sveriges Radio)

In der schwedischen Psychiatrie herrschen gravierende Mängel bei der Betreuung der Patienten. Immer wieder kommt es zu sexuellen Übergriffen auf junge Frauen. Das Personal weiß offenbar nicht, was dann zu tun ist.

Junge Frauen in der Psychiatrie, vielfach suizidgefährdet und mit entsprechend instabiler Seelenlage werden in gemischten Abteilungen von Mitpatienten begrabscht, ohne dass das Personal reagiert. Vor dem Hintergrund eines Prozesses einer 15-Jährigen in Stockholm, die in der Psychiatrie vergewaltigt wurde, hat der Schwedische Rundfunk die Zustände in den geschlossenen Anstalten nun näher unter die Lupe genommen.

Personal ohne Richtlinien

Eine Betreuerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, erzählt dem Rundfunkreporter: „Wenn man ein junges Mädchen auf der Abteilung hat, muss man diese Patientin schützen können. Wir brauchen irgendeine Form von Anweisung, was wir im Fall von Übergriffen tun sollen."

Diese Anweisungen gibt es aber derzeit nicht oder kaum. Göteborg und Malmö haben keinerlei Richtlinien, in Stockholm gibt es sie nur für manche Abteilungen, aber nicht in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Gerade dort kommt es aber offenbar öfter zu sexuellen Übergriffen. Der Rundfunk berichtet allerdings von einem Mädchen, das von dort in die Erwachsenenpsychiatrie verlegt wurde. Dort wurde sie sexuell belästigt, erzählt ihre Mutter.

„Mir und auch dem Personal erzählte sie, dass sie sich dort nicht sicher fühlte. Die Männer setzten sich im Gemeinschaftsraum neben sie, fassten sie an und versuchten sie zu küssen. Als sie das Personal wegen der Grabschereien um Hilfe bat, bekam sie als Antwort, sie könne sich ja wegsetzen."

Risikofaktor fehlendes Vertrauen

Selene Cortes arbeitet bei der Organisation Mind mit Suididgefährdeten und kennt diese Beschreibungen, bedauert sie. Cortes weiß, dass viele Frauen als manipulativ angesehen - und damit leicht mitschuldig an Vorfällen gemacht werden.

„Wir kommen in Kontakt mit sehr labilen Menschen, die manchmal akut selbstmordgefährdet sind. In so einer Situation ist es sehr schwer, diese Menschen dazu zu bewegen, sich behandeln zu lassen. Die Gründe für das mangelnde Zutrauen der Betroffenen sind ganz unterschiedlich. Manche schämen sich, andere haben Angst, wieder andere haben schlechte Erfahrungen mit den Institutionen gemacht. Wenn dann noch so etwas passiert, steigt das Risiko, dass sich die Betroffenen etwas antun."

Auch Kerstin Evelius, die Sonderbeauftragte der Regierung für psychische Gesundheit, weiß um die Problematik mit Auseinandersetzungen von Patienten untereinander - auch wenn ihr persönlich von sexuellen Übergriffen nichts bekannt ist. Evelius betont, dass es Aufgabe der Kliniken ist, einen Plan für die Belegschaft zu erarbeiten, wie mit Übergriffen umzugehen ist.

„Das Problem ist doch vielmehr alles, was so eine Kultur überhaupt erst möglich macht: Fühlt man sich als Patient sicher und gut aufgehoben? Wie begegnet einem das medizinische Personal? Hat man das Gefühl, dass man in die eigene Behandlung eingebunden ist? Diese Fragen, die ja für die vorbeugende Arbeit zentral sind, hätte ich gern öfter beantwortet. Die Patientensicherheit zu gewährleisten, ist Sache der Kliniken. Sie müssen proaktiv arbeiten."

Fall für den europäischen Gerichtshof?

Weitaus alarmierter reagiert Moa Kindström Dahlin. Sie forscht im Bereich Öffentliches Recht und hat ihre Doktorarbeit zum Thema begrenzte Patientenrechte in der Psychiatrie geschrieben.

„Aus juristischer Sicht ist es aus dem Grunde empörend, weil der Staat Schweden eine sehr weitreichende Verantwortung für Personen hat, die er zuvor ihrer Freiheit beraubt hat. Das Fehlen von Routinen halte ich für so ernst, dass man diese Angelegenheit bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringen könnte. Im äußersten Fall könnte es um Schadenersatzzahlungen gehen."

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".