Zugunglück Bad Aiblingen Foto: JOSEF REISNER/TT
Schweden ist nur schlecht auf Zugunglücke wie in Bad Aiblingen vorbereitet Foto: JOSEF REISNER/TT

Schlecht gerüstet für Zugunglücke

"Gardinen als wärmende Decken umfunktionieren"
2:20 min

Auf Zugunglücke wie bei der tödlichen Kollision in Bad Aibling ist Schweden nur schlecht vorbereitet.

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sind im Falle eines Zugunglücks mangelhaft miteinander koordiniert. Ein Unglück vor allem in unwegsammn Gelände hätte verheerende Folgen, warnt die Forscherin Rebecca Forsberg im Schwedischen Rundfunk.

„Vor allem in Nordschweden, wenn viel Schnee liegt, kann die Unglücksstelle schwer zugänglich sein. Im Zug fällt dann der Strom aus, es wird schnell kalt. In so einer Situation muss das Rettungspersonal schnell vor Ort sein“, so Rebecca Forsberg, die an der Universität Umeå über Zugunglücke forscht.

Lücken in der Koordination

Ein neuer Forschungsbericht weist auf, dass sich in der Koordination zwischen den schwedischen Rettungsdiensten große Lücken auftun. Im Katastrophenfall weiß die eine Hand nicht, was die andere tut – und dies in Situationen, in denen schnelle Hilfe lebenswichtig sein kann. Nicht nur in entlegenen schwedischen Wäldern, auch in dichtbesiedelten Gebieten sind Großeinsätze mit zahlreichen Komplikationen verbunden, so der Forschungsbericht.

Die Universität Umeå und der Katastrophenschutzdienst MSB arbeiten derzeit in Zusammenarbeit mit der Polizei und den Rettungsdiensten an einem neuen Handlungsplan für schwere Zugunglücke. Bis zum Sommer soll festgelegt werden, wie sich die einzelnen Rettungseinheiten am besten ergänzen.

"Alle Alternativen prüfen"

„Solche Rettungseinsätze sind sehr komplex. Man braucht das richtige Personal, die richtige Ausrüstung, um überhaupt in einen kaputten Zugwaggon reinzukommen. Übungen müssen abgehalten werden. Waggons könnten im Notfall durch eigene Heizungen aufgewärmt werden. Gardinen könnten als wärmende Decken zum Einsatz kommen. Wir müssen alle Alternativen prüfen“, so Rebecca Forsberg.

Die Zugsicherheit in Schweden gilt im statistischen Vergleich als vergleichsweise hoch. Das letzte große Zugunglück, das mit der Kollision von Bad Aibling verglichen werden kann, ereignete sich 1987 in Lerum unweit von Göteborg, als wegen einer falsch gestellten Weiche zwei Personenzüge miteinander zusammenstießen. Neun Menschen kamen damals bei dem Unglück ums Leben.

Mangelnde Wartungsarbeiten

Gleichzeitig sind die Wartungsarbeiten an Schwedens Gleisnetz in der Vergangenheit stark in die Kritik geraten. Bei Entgleisungen wie etwa vor einem Jahr in Stockholm oder in Laholm kamen glücklicherweise niemand zu Schaden.

Hansjörg Kissel

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