Foto: Karl-Josef Hildenbrand/AP/TT
Aus heiterem Himmel fiel der Meteorit 1900 in Kvavisträsk herab Foto: Karl-Josef Hildenbrand/AP/TT
Geschichte aus Kvavisträsk

Opfer eines Meteoriten

„Wenn es das Schicksal so will, kann man nichts machen.“
2:59 min

Die Bewohner von Norsjöbyn Kvavisträsk in Västerbotten erinnern sich in diesen Wochen wieder öfter an ein ungewöhnliches Ereignis im Jahr 1900. Ludvig Lundgren hatte damals an einem sonnigen Tag im Mai ungewöhnlich viel Pech. So viel Pech, wie vor ein paar Wochen ein Mann im südindischen Bundesstaat Tamil Nardu. Sie sind die bisher einzigen Menschen, die bei Meteoriteneinschlägen ums Leben gekommen sind.

Den alten Pfad, auf dem Ludvig Lundgren in Kvavisträsk zu Fuß ging, gibt es immer noch. Der 54-Jährige konnte nicht ahnen, dass sein nächster Schritt auch sein letzter sein würde.

 

„Ludvig wollte meinen Großvater, ´n Qwaas-Fredrik auf dem Berg, besuchen“, erzählt Ivan Lindblom die Geschichte im Schwedischen Fernsehen. „Aber Ludvig befand sich zur falschen Zeit am falschen Ort“, fügt der Rentner hinzu.

 

Aus heiterem Himmel

Lindbloms Vater, Fredrik Helmer Lindblom, war acht Jahre alt an jenem sonnigen Tag im Mai 1900.

„Mein Vater spielte mit seinen Geschwistern auf dem Hofplatz. Plötzlich sahen die Kinder einen weißen Lichtschein, gleich darauf hörten sie einen ohrenbetäubenden Knall. Sie glaubten, dass irgendwo ein Blitz eingeschlagen war, aber der Himmel war völlig wolkenlos.“

 

Es ist extrem selten, dass ein Meteor, der nicht in der Atmosphäre verglüht ist, auf der Erde einschlägt und dabei Menschen verletzt. Ludvig Lundgren war der Erste, von dem dokumentiert ist, dass er dabei ums Leben kam.

„Als mein Vater den Pfad hinunterlief, lag Ludvig bewusstlos neben der Gartenpforte. Er war gerade dabei die Pforte zu öffnen, als es knallte.“

 

Tödliche Druckwelle

Mehrere Dorfbewohner eilten zum Unfallort. Ungefähr 30 Meter von Ludvig entfernt entdeckten sie einen großen Krater im Gelände. Schnell kam man zu dem Schluss, dass ein eingeschlagener Meteorit das Loch verursacht haben musste. Dass die Druckwelle Lundgren buchstäblich umgehauen hatte.

 

„Sie haben ihn zur Krankenstation in Norsjö gebracht, aber er ist nach ein paar Tagen gestorben. Er ist nicht wieder zu Bewusstsein gekommen“, erzählt Ivar Lindblom weiter.

 

Ludvig Lundgrens ungewöhnliches Schicksal wird nicht nur von den Dorfbewohnern erzählt, es ist auch in der damaligen wissenschaftlichen Literatur belegt. Aber für sie ist das Ereignis eines von vielen in der Geschichte ihrer Gegend.

 

„Es war ja schlimm, das Ludvig ums Leben kam“, sagt Lindblom. „ Aber das Leben der anderen ging ja weiter.“

 

Interessierte Besucher

Heute findet man die Koordinaten des Meteoritenkraters im Internet. Der Platz wird öfter besucht. Manchmal kommen die Menschen von weit her, um am Einschlagort an das ungewöhnliche Schicksal von Ludvig Lundgren zu denken.

 

„Eines Tages im Sommer hielt ein Auto mit Touristen aus Deutschland. Sie holten ihre Handys heraus und gingen dann geradenwegs zu dem Loch“, erzählt Ivan Lindblom.

 

Es gibt auch Menschen, die dort gegraben haben. Der schwedische Hobbygeologe und pensionierte Arzt Per Gunnar Jonsson hat einen Stein von dort analysieren lassen.

 

Einmalig

„Das spezifische Gewicht des Steins kann darauf hinweisen, dass es sich um einen Stein aus dem All handelt. Aber bisher ist er nicht von Experten untersucht worden“, berichtet Jonsson.

 

Dass noch einmal ein Meteorit aus heiterem Himmel in Kvavisträsk herab fallen könnte, glaubt Ivan Lindblom nicht: „Also, darüber mache ich mir keine Sorgen. Aber wenn es das Schicksal so will, kann man nichts machen.“


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