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Foto: Czarek Sokolowski
Migration

Driften polnische Verbände in Schweden nach rechts?

4:40 min

Vierzehn polnische Staatsbürger wurden vorige Woche auf frischer Tat ertappt, als sie sich anschickten, ein Asylbewerberheim in Nynäshamn zu überfallen. Nun mehren sich Hinweise darauf, dass ganze polnische Einwandererorganisationen in Schweden dabei sind, nach rechts abzudriften.

Sie nennen sich „Semper Fidelis“, sollen außer an der geplanten Attacke auf die Asylbewerberunterkunft auch bei Ausschreitungen gegen Einwanderer in der Stockholmer City beteiligt gewesen sein, und vier von ihnen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Es handelt sich um eine neu gegründete Jugendorganisation polnischer Staatsbürger, die zunehmend militant auftritt und offenbar auch Verbindungen zur rechtsradikalen schwedischen Gruppe Nordisk Ungdom unterhält.

Kritik an Vereinsdachverband

Kürzlich wurde sie in den Dachverband der polnischen Vereine Schwedens, Polska kongressen, aufgenommen. Kritisch sieht das Tadeusz Nowakowski, Redakteur einer polnischsprachigen Zeitung, die sich an die gut 80.000 in Schweden lebenden Polen wendet. „Das ist ein Verein mit Verbindungen zur rechtsradikalen Nordisk Ungdom. Meiner Ansicht nach macht der Dachverband Polska kongressen einen Fehler, wenn man solch eine Extremorganisation zulässt“, findet der Redakteur.

Fotos auf der Facebook-Seite von Semper Fidelis belegen die rechtsradikalen Verbindungen. Sie zeigen Gruppenmitglieder gemeinsam mit Vertretern der Nordisk Ungdom auf einer Demonstration vor der polnischen Botschaft sowie auf einer Kundgebung gegen Flüchtlinge in der Stockholmer Innenstadt. Zwei ihrer Mitglieder wurden unter Verdacht auf Gewalttätigkeiten an Gegendemonstranten festgenommen, sagte ein Informant Radio Schweden.

„Unpolitischer Verband“

Der Dachverband der polnischen Organisationen zeigt sich überrascht, als Radio Schwedens Reporter die rechtsradikalen Verbindungen des Jugendverbandes darlegt.

„Unser Verband ist vollkommen unpolitisch. Wir arbeiten für die Integration der hier in Schweden lebenden Polen und möchten zugleich, dass sie die Verbindung zu ihren Wurzeln nicht verlieren. Wir werden mit der Organisation sprechen. Wer sich mit der Nordisk Ungdom einlässt, kann unserem Verband nicht angehören“, betont die stellvertretende Vorsitzende Jolanta Halkieqicz.

Dass Semper Fidelis auf seiner Facebook-Seite ein Bild von einem übervollen Flüchtlingsboot gemeinsam mit Aufforderungen publiziert hat, „Flüchtlinge zu stoppen“, davon will Jolanta Halkiewicz nichts gewusst haben.

„Ich wusste nur, dass man eine Umfrage machen wollte, was Polen vom Verkauf von Grund und Boden ans Ausland halten. Das ist nur eine Meinungsumfrage, die auch in Polen durchgeführt wird und die sie nach Schweden übernommen haben. Das ist das Einzige, das mir bekannt war.“ Dass just diese Umfrage mit dem Bild vom vollen Flüchtlingsboot und einem Schild „Unterschriftensammlung für eine Volksabstimmung über Einwanderung nach Polen“ begleitet ist, habe sie nicht gewusst.

Driftet ab

Redakteur Nowakowski hingegen findet, der Dachverband sei insgesamt zunehmend politisch gefärbt, ganz unabhängig von Semper Fidelis. Das Toleranzniveau gegenüber Mitgliedern, die sich gegen die neue, nationalkonservative polnische Regierung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PIS) aussprechen, sei gering, meint er. Ein Eindruck, den ein Mitarbeiter einer anderen Mitgliedsorganisation gegenüber Radio Schweden bestätigt. Aus Angst, erkannt zu werden, möchte er anonym bleiben.

Redakteur Nowakowski meint weiter: „Der Dachverband versammelt rund 30 Organisationen in ganz Schweden, sollte daher also auch unterschiedliche Ansichten vermitteln. Im Moment deutet jedoch alles darauf hin, dass sich der Verband einer einzigen Meinungsrichtung verpflichtet fühlt. Ich finde es wichtig, darüber die Öffentlichkeit zu informieren. Die in Schweden lebenden Polen müssen wissen, dass ihre Organisation vielleicht gar nicht in ihrem Interesse handelt.“

Jolanta Halkiewicz bestätigte gegenüber Radio Schweden, dass der Dachverband zwar unpolitisch sei, aber die aktuelle polnische Regierung aus ganzem Herzen unterstütze, da sie mit der Korruption im Heimatland aufräume. Der Verein Semper Fidelis hat eine Interviewanfrage von Radio Schweden aus Zeitgründen abschlägig beschieden.

Freddi Ramel, Luise Steinberger

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