Beschossener Kleinbus
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Letztes Wochenende wurde ein kurdischer Kleinbus in Fittja beschossen Foto: Johan Nilsson/TT
Ismail Zengin. Foto: Simon Andrén/Sveriges Radio
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Ismail Zengin im ausgebombten türkischen Vereinslokal. Foto: Simon Andrén/Sveriges Radio Foto: Serokê komeleyê Ismail Zengin. Wêne: Simon Andrén/Sveriges Radio
Anschlag auf türkische Gemeinde

„Konflikt in der Türkei schwappt auf Schweden über“

"Bislang friedlich in Schweden"
3:40 min

Nach dem Anschlag auf einen türkischen Kulturverein im Süden Stockholms haben kurdische und türkische Vertreter in Schweden die Gewalt zwischen den beiden Volksgruppen verurteilt.

Militante Kräfte versuchten, einen Keil zwischen die bislang friedlich koexistierenden Fraktionen in Schweden zu treiben, sagte Ismail Zengin, Leiter des von dem Anschlag betroffenen türkischen Kulturvereins.

„Es wäre doch idiotisch, wenn das türkische Problem nun in Schweden eskalieren sollte. Die Kurden und Türken in Schweden haben sehr gute Beziehungen, jedenfalls hier im nördlichen Botkyrka sind die Verbindungen stark. Und das wird auch so bleiben“, so Zengin im Schwedischen Rundfunk.

Kurden laden Türken in

Auch Vertreter der Kurden in Schweden verurteilten den Anschlag gegen das türkische Kulturzentrum. Die kurdische Vereinigung in dem Vorort stellten ihre Vereinslokale für Treffen der türkischen Gemeinde zur Verfügung.

„Seit vielen Jahren arbeiten wir gut zusammen, es gab nie Probleme. Wir sind doch alle gleich, alle Brüder und Schwestern“, sagte Rodi Rawej vom Landesverband der Kurden.

Konkrete Informationen zu den Attentätern fehlen bislang. Polizei und Experten mutmaßen, dass der Bombenanschlag auf das türkische Vereinslokal in Fittja im Süden Stockholms eine Fortsetzung türkisch-kurdischer Konflikte der jüngsten Vergangenheit ist. Im Herbst wurde ein Sprengstoffattentat auf einen schwedisch-türkischen Verein im Stockholmer Vorort Bredäng verübt. Kurz darauf explodierte ein Sprengsatz in der Anatolisch-Kurdischen Vereinigung in Fittja.

Staatsschutz eingeschaltet

Auf Demonstrationen kurdischer und türkischer Gruppen ging es teilweise gewalttätig zu. Am vergangenen Wochenende endete eine Kundgebung in Fittja damit, dass ein mit pro-kurdischen Flaggen behangener Kleinbus beschossen wurde. Ein Mann wurde dabei schwer verletzt.

Die Polizei hat mittlerweile zusätzliche Ressourcen für die Ermittlungen eingesetzt. Auch der Staatsschutz Säpo wurde eingeschaltet. Am Donnerstag kommentierte der schwedische Innenminister die zunehmende Eskalation zwischen Kurden und Türken in Schweden. „Die Ermittlungen müssen nun zeigen, was hier wirklich vorgefallen ist. Wir wollen in Schweden keinen eskalierenden Konflikt zwischen einzelnen Gruppierungen, egal welche diese auch sein mögen“, so Innenminister Anders Ygeman.

Bislang eher friedlich in Schweden

Wie der Türkei-Experte Paul Levin von der Universität Stockholm gegenüber Radio Schweden sagte, sei zu befürchten, dass die zunehmende Gewalteskalation in der Türkei auf die bislang weitgehend friedlichen Beziehungen zwischen Kurden und Türken in Schweden überschwappt.

„Der eskalierende Konflikt zwischen der PKK und dem türkischen Militär scheint sich nun auch hier auszuwirken. Bislang gab es in Schweden im Unterschied zu Deutschland etwa keine gewalttätigen Konfrontationen zwischen den Gruppen. Dies ist also ein eher neues Phänomen in Schweden und hat mit der zunehmenden Polarisierung in der Türkei zu tun.“

"Kann nicht von Kurden und Türken sprechen"

Die schwedische Polizei führt Dialoge und unterstützt Vereine, die für eine friedliche Koexistenz einstehen. Wie Paul Levin betont, sind die Trennlinien zwischen Türken und Kurden in Gemeinden wie Botkyrka, wo vergleichsweise viele Menschen aus der Türkei leben, ohnehin sehr vage.

„Man kann im Grunde nicht von Kurden und Türken sprechen. Viele haben einen kurdischen und einen türkischen Elternteil. Es gibt Kurden, die sich selbst eher als Türken betrachten. Außerdem kommen die kurdischen Gruppen aus unterschiedlichen Ländern. Die große Mehrheit in Schweden ist in keiner Weise radikal-nationalistisch aktiv. Die meisten Vereine arbeiten Konfrontationen entgegen.“

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