Jugendliche in Malmö helfen beim Löschen (Foto: Paloma Vangpreecha/Sveriges Radio)
Jugendliche in Malmö helfen beim Löschen (Foto: Paloma Vangpreecha/Sveriges Radio)
Verbrechensprävention

Löschen statt Steine werfen

"Sie sind Helden"
3:07 min

Immer wieder werden Feuerwehr und Rettungswagen in Problemvierteln von randalierenden Jugendlichen angegriffen. In Malmö lässt die Feuerwehr seit einiger Zeit 14-jährige Störenfriede mit anpacken. Eine Methode, die sich auszahlt.

„Wir haben ziemlich Stress gemacht. Feueralarm ausgelöst und gezündelt und so“, erzählt der 14-jährige Rabi etwas kleinlaut im Schwedischen Rundfunk. „Warum weiß ich nicht, es gab eigentlich keinen Grund.“ Rabi steht mit ungefähr einem Dutzend gleichaltriger Jungs auf dem Übungslöschplatz der Feuerwehr in Malmö und wartet darauf, dass er einen brennenden Kleintransporter löschen darf. 

Schluss mit Steinewerfen 

Die Jugendlichen sind Teil eines Projektes RISK (Rettungsdienst Süd in Zusammenarbeit mit den Kids). Seit nunmehr sechs Jahren soll es dafür sorgen, dass die Gewalt gegen Blaulicht-Personal aufhört. Insbesondere der Vorort Rosengård hatte 2008 mit regelmäßigen Ausschreitungen bei Einsätzen für Schlagzeilen gesorgt. In 16 Fällen war das Personal bei Rettungseinsätzen selbst Opfer von Bedrohung und Gewalt. 

„2008/2009 war schlimm“, erinnert sich Attila Jensen, Einsatzleiter der Feuerwehr. „Uns war klar, dass wir etwas unternehmen müssen, wenn wir nicht mit Steinen begrüßt werden wollen, sondern als gute Bekannte.“ 

Jedes Jahr werden für das Projekt einige Schüler der 7. bis 9. Klasse aus Schulen in Rosengård oder Kirseberg, einem anderen sozialen Brennpunkt, ausgewählt, die durch besonders viel Schwänzen aufgefallen sind. Immer montags nehmen die Feuerwehrleute sie unter die Fittiche. Für Fadi Numan hat sich seitdem alles verändert. 

„Vorher habe ich immer gedacht, das sind nur Leute, die halt Feuer löschen. Aber sie sind so viel mehr. Sie sind Helden.“ 

Tatsächlich gab es im vergangenen Jahr nicht einen einzigen Angriff auf Blaulichtpersonal. 

Ursachen auf den Grund gehen 

Madeleine Opira ist beim Think Tank “Million Minds” tätig, der sich besonders um die Probleme in den so genannten Millionenprogrammen, also den Mietkasernen in den sozialen Brennpunkten kümmert. Opira hält das Feuerwehr-Projekt für sinnvoll, jedoch sollte die Arbeit viel umfassender sein, erklärte sie im Schwedischen Rundfunk. 

„Vor allem sollte man sich das ganze Ursachenspektrum ansehen. Sind das Jugendliche, die extra aus anderen Stadtteilen herkommen? Macht ihnen das nur Spaß oder fühlen sie sich nicht als Teil der Gesellschaft? Haben sie Stress zu Hause oder sind sie sauer auf die Polizei, von der sie sich schlecht behandelt fühlen? Fehlt es vielleicht an einem Mechanismus, wie die Polizeiarbeit überprüft werden kann, so dass das Zutrauen in den Rechtsstaat wächst? Wenn man den Ursachen für die Gewalt auf den Grund geht, lässt sich Eskalation vermeiden und die Situation sicher in den Griff bekommen.“

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".