Stockholm (Foto: Anne Rentzsch)
Sensibler Motor für das Land: Stockholm Foto: (Foto: Anne Rentzsch)
Wirtschaft

Aufschwung stärker als gedacht

Schwedens Bruttonationalprodukt entwickelt sich positiv. Wichtige Ursachen sind nach Einschätzung von Experten der Zustrom von Flüchtlingen und ein Anstieg der Exporte.

Die Bilanz nimmt sich bestens aus: Um 4,1 Prozent stieg das BNP 2015 im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts der am Montag veröffentlichten Zahlen zeigten sich mehrere Experten überrascht.

Die Werte seien „stärker als erwartet“, betont Olle Holmgren, Ökonom bei Skandinaviska Enskilda Banken (SEB), gegenüber der Wirtschaftszeitung Dagens Industri. Zurückzuführen sei das auf höhere Ausgaben für Flüchtlinge – diese Mehrausgaben für Konsumgüter, so Holmgren, „kamen schneller als gedacht“.

Auch Anna Breman, Chefökonomin bei Swedbank, sieht einen klaren Zusammenhang zwischen dem Flüchtlingszustrom und gestiegenen öffentlicher Ausgaben für Konsumgüter. So seien mit Blick auf die Flüchtlinge in Schule und Gesundheitswesen mehr Arbeitskräfte eingestellt worden.

Breite Front

Besonders erfreulich an der jüngsten BNP-Bilanz ist laut Anna Breman die Tatsache, dass es sich um einen breiten Aufschwung handelt. Nach oben zeigten demnach auch die Kurven bei Investitionen – und beim Export.

Der Export ist der stärkste Faktor hinter dem Anstieg des BNP. Insgesamt wuchs er im Jahr 2015 um 2,5 Prozent – die höchste Zahl seit mehreren Jahren. Laut aktueller Statistik von Business Sweden legten Ausfuhren nach China und in die Vereinigten Staaten um 13 beziehungsweise um 19 Prozent zu. Auch für Schweden wichtige Exportmärkte wie Deutschland, Norwegen und Großbritannien entwickelten sich positiv, wobei Dienstleistungen eine wachsende Rolle spielten.

Dunkle Wolken

Gleichwohl sind in Sachen Wirtschaftswachstum am Horizont dunkle Wolken sichtbar. Das betont Andreas Hatzigeorgiou, Chefökonom bei der Stockholmer Handelskammer. Beunruhigend sei vor allem, dass die größten ökonomischen Herausforderungen in Schweden – der akute Wohnungsmangel und die tiefe Kluft zwischen Einheimischen und Migranten am Arbeitsmarkt – so eng miteinander verflochten seien. Dies schaffe „akute Probleme“.

Beim Blick über die Landesgrenzen hinaus sieht Hatzigeorgiou vor allem einen möglichen britischen EU-Austritt als Gefahr. Schließlich sei der Export der wichtigste Anschub für die Entwicklung des schwedischen Bruttonationalprodukts. Und für die Hauptstadt, ihrerseits Motor für die Entwicklung im übrigen Land, ist Großbritannien der wichtigste Exportmarkt, betont Hatzigeorgiou. Ein „Brexit“ wäre daher „für Jobs und Wachstum im ganzen Land verheerend“.

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