Zu wenig Frauen in den Gemeinderäten

Auf jedem zweiten Posten eine Frau. Diese Forderung scheint in Schweden als Gleichberechtigungsland Nummer Eins eine Selbstverständlichkeit. Bei der Durchführung allerdings hapert es noch immer. Eine neue Studie zeigt, dass gerade die beiden grössten Parteien in Sachen Gleichberechtigung auch die grössten Sünder sind.

Zu wenig Frauen in schwedischen Gemeinderäten. Das ist das Fazit einer Studie der Tageszeitung Svenska Dagbladet. Bei den Konservativen sind rund ein Viertel der Gemeinderatsmitglieder Frauen, bei den Sozialdemokraten 36 Prozent.

Dabei ist die paritätische Zusammensetzung aller Gremien das erklärte Ziel dieser Parteien. Schliesslich soll die Geschlechterverteilung der Gemeinderatsmitglieder die der Wähler widerspiegeln. Führende Vertreter beider Parteien sind denn auch beschämt über dieses weibliche Defizit. „Das sind erschreckende Zahlen“, seufzt der Parteisekretär der Konservativen, Sven Ove Littorin.

Paritätische Regierung
Seine sozialdemokratische Kollegin, Marita Ulvskog, führt den Mangel darauf zurück, dass in ihrer Partei nicht so viele Frauen bereit sind, durch interne Fortbildung in kommunale Führungspositionen aufzusteigen. Ulvskog verweist jedoch darauf, dass Männer und Frauen in der sozialdemokratischen Regierung und in der Fraktion gleichmässig vertreten sind.

Für die Frauenorganisationen beider Parteien ist die Studie Wasser auf die Mühlen. Sie fordern Massnahmen. Catharina Elmsäter-Svärd von den Konservativen möchte nach den Wahlen im nächsten Jahr auf 40 Prozent der Posten Frauen sehen. Aber sie weiss auch wo der Schuh drückt: Vielen erfahrenen männlichen Kommunalräten fällt es schwer, ihre Aufgaben an neue Talente abzugeben. Nicht zuletzt, weil die Posten auch mit einem Gehalt verbunden sind…

Gesamtwertung gut
Dabei schneidet Schweden im internationalen Vergleich eigentlich gut ab.
Der „Gender Gap Index” des Weltwirtschaftsforums in Genf  stellte im Mai die Lage so dar:  In dem Vergleich von 58 Staaten – den Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und 28 Schwellenländern – kam Schweden in der Gesamtwertung auf den ersten Platz.

Backlash
Trotzdem gibt es auch bei der Nummer Eins noch so einiges zu verbessern, nicht nur in der Kommunalpolitik. Zum Beispiel:

- Insbesondere junge Frauen ziehen sich immer häufiger von Parteiaufträgen zurück, weil sie der Arbeitsbelastung – Beruf, Familie und ehrenamtliche Posten - nicht gewachsen sind…

- Eine Studie des Womens Business Research Institute zeigt: der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist leicht rückläufig. Nur noch gut jeder vierte Unternehmenschef in Schweden ist eine Frau.

- Frauen erhalten für gleiche Arbeit immer noch weniger Geld als männliche Kollegen – und folglich auch weniger Arbeitslosenunterstützung. Dass hat ein Gleichstellungsprojekt der Arbeitsmarktbehörde AMS ermittelt.

Sybille Neveling

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