Trauer um Angehörige

Lehren aus Srebrenica

Dem grössten Massaker in Europa nach dem 2. Weltkrieg wurde auch ein Schweden gedacht. Heute vor zehn Jahren ermordeten bosnische Serben in dem Dorf Srebrenica über 8000 bosnische Muslime. Die internationalen Friedenstruppen, unter deren Schutz das Dorf damals gestanden hat, hatten versagt. Anlass auch für schwedische Militärs, die damals dort Dienst taten, sich zu erinnern und Lehren zu ziehen. Gleichzeitig fordern Politiker, dass die EU sich weiter in der Region engagiert.

Aussenministerin Laila Freivalds nahm gemeinsam mit 50 Politikern aus anderen Ländern an der offiziellen Zeremonie an der Gedenkstätte Potocari vor den Toren Srebrenicas teil. Jetzt gelte es, aus den Geschehnissen von Srebrenica Lehren zu ziehen, betont Laila Freivalds in der Tageszeitung Göteborgs-Posten. Die Erweiterung der EU sei ein Weg, Geschehnisse wie damals zu verhindern. Die Europäische Union müsse deshalb ihr Engagement in der Region beibehalten. Dabei seien aber auch die Länder des Balkan gefragt. Sie müssen die Aufnahmekriterien der EU erfüllen. Die Kriegsverbrecher von damals dem Tribunal in Den Haag übergeben werden.

Auch in Stockholm gab es eine Gedenkkundgebung. Viele Bosnier waren damals nach Schweden geflüchtet. Das Land hatte sich grosszügig gezeigt und verhältnismässig viele Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina entgegengenommen. Allein in den Jahren 1993 und 94 waren es jeweils über 30.000 gewesen.

Machtlose Blauhelme

Thomas Härstedt, war vor zehn Jahren Stabschef des schwedischen UN-Bataillons im unweit von Srebrenica entfernten Tuzla. Er erinnert sich daran, wie die ersten Flüchtlinge aus Srebrenica bei ihm eintrafen und ihre Geschichten immer grausamer wurden. Gleichzeitig gibt er zu verstehen, wie machtlos die Blauhelm-Truppen damals gewesen waren. Vor allem die Niederländer, die damals den bosnischen Serben Srebrenica kampflos überliessen. „Wir versuchten die Entwicklung dort zu verfolgen. So wussten wir, dass es um das holländische Bataillon in Srebrenica sehr schlecht bestellt war. Wenig Nachschub, kaum Treibstoff für die Fahrzeuge, kaum Proviant. Wir verstanden, dass die Lage sehr schlecht war. Die Truppen hatten nur begrenzte Möglichkeiten, etwas zu unternehmen“, sagt Härstedt.

Schweden hat eine lange Tradition, was Blauhelm-Einsätze angeht. Srebrenica hat jedoch deutlich gemacht, dass die Vereinten Nationen und auch die EU zu wenig militärisches Durchsetzungsvermögen besitzen, so Härstedt: „Ich hatte in dem halben Jahr, als ich dort Dienst tat, viel erlebt. Diese Ereignisse bleiben jedoch im Gedächtnis. Ich kam zur Einsicht dass Krieg etwas Schreckliches ist und stelle mir gleichzeitig die Frage, was hätten wir anders machen müssen. Dazu braucht es meiner Ansicht nach Kraft. Damals war es die NATO, die mit Bombenangriffen auf die Serben, dem Ganzen ein Ende bereitet hatte, als alle Verhandlungen gescheitert waren. Als Schwede sollte man darüber nachdenken, dass dies leider manchmal die einzige Möglichkeit ist. Die EU sollte deshalb auch eigene Kapazitäten haben, um zu agieren, auch wenn das hierzulande niemand gerne hört. Militärische Möglichkeiten sind schliesslich auch Argumente bei Verhandlungen.“ 

Gerade die Schaffung von gemeinsamen Verteidigungsstrukturen in der EU ist im bündnisfreien Schweden jedoch ein heikles Thema. Dennoch unterstreicht auch Aussenministerin Freivalds, dass die EU mehr Verantwortung in zukünftigen Konflikten übernehmen muss – sowohl im Nahbereich als auch global.

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