Forscher suchen nach Nervengift im Algenteppich

Weite Teile Schwedens erleben derzeit einen herrlichen Sommer mit viel Sonne und Temperaturen um 25 Grad. Doch das Badevergnügen ist getrübt, denn giftige Blaualgen breiten sich aus – so schnell wie noch nie zuvor, meinen die Medien. Und es kommt angeblich noch schlimmer – Forscher sind in dem Algenteppich einem gefährlichen Nervengift auf der Spur. 

Der Algenteppich ändert seine Ausdehnung nahezu stündlich. Betroffen ist hauptsächlich die schwedische Ostseeküste zwischen der Südspitze Ölands bis hinauf in die Stockholmer Schären und hinein in die finnische Bucht. Wo der Algenteppich auftaucht, ist Baden nahezu unmöglich. Da ist zum einen die grünliche Brühe, die von der Presse bereits scherzhaft Rhababersuppe genannt wurde und wenig zum Baden einlädt. Zum anderen besteht vor allem für Kleinkinder und Tiere die Gefahr, sich zu vergiften, wenn sie Wasser mit Blaualgen schlucken.

Als ob dies im warmen Sommerwetter nicht schon genug wäre, kommt jetzt eine weitere Schreckensnachricht hinzu. Forscher der Universität Stockholm suchen im Algenteppich nach einem gefährlichen Nervengift mit der Bezeichnung BMMA. Die Botanikerin Ulla Rasmussen ist Mitglied des Forscherteams, das zum ersten Mal Proben aus einem lebenden Algenteppich entnimmt: „Das hat damit begonnen, dass wir Spuren des Nervengiftes BMMA bei der Aufzucht von Cyanobakterienkulturen der Blaualgen fanden. Weil diese Cyanobakterien häufig in der Natur vorkommen, ist es wichtig zu untersuchen, wie stark diese in der Natur produziert werden und ob es einen Zusammenhang mit Alzheimer gibt. Auf Guam im Südpazifik hatte man nämlich entdeckt, dass Personen, die an Alzheimer gestorben sind, eine hohe Konzentration von BMMA im Gehirn hatten. Und es hatte sich gezeigt, dass das Gift von den Cyanobakterien stammte.“

Keine Panik verbeiten

Die Arbeit Proben einzusammeln hat bereits begonnen. Bis brauchbare Ergebnisse vorliegen, wird es allerdings dauern. Doch Ulla Rasmussen will keine Panik verbreiten - auch falls sich tatsächlich herausstellen sollte, dass das Nervengift vorkommt: „Es ist wichtig, nicht in Panik zu verfallen. Es gibt ja überhaupt noch keine Beweise. Unsere Messergebnisse weisen noch nicht darauf hin.“

Falls die Algen tatsächlich das Gift enthalten sollten, wollen die Forscher dessen Weg in der Nahrungskette verfolgen und Fische untersuchen. Speisefisch könnte beispielsweise viel höhere Konzentrationen des Giftes enthalten, als wenn der Mensch das Wasser mit den Algen selbst schluckt. Die Lebensmittelbehörde hat bereits Analysemethoden entwickelt und will im Herbst erste Proben nehmen. Was zunächst bleibt ist der Algenteppich. Doch nach einiger Zeit sinken die Algen erst einmal auf den Meeresboden ab. Noch besser wäre, wenn es kühler werden oder regnen würde. Doch das wird sicher nicht im Sinne der vielen Schweden liegen, die jetzt gerade ihren Sommerurlaub verbringen.
Dieter Weiand

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