Härtere Strafen für Menschenhändler

Es ist seit Jahren bittere Realität: Junge Frauen aus Osteuropa werden von Menschenhändlern nach Schweden verschleppt und hier zur Prostitution gezwungen. Doch seit kurzem fallen die Urteile gegen Menschenhändler härter aus: Erst gestern verurteilte das Amtsgericht Göteborg einen Schweden und einen Bosnier zu mehrjährigen Haftstrafen. Dass die Schuldigen überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden können, hat zwei Ursachen. Erstens verfügen die schwedischen Ermittler über mehr Geld und zweitens koordinieren sie ihre Arbeit besser mit den Kollegen aus den Ostseeanrainerstaaten.

Erst seit drei Jahren ist Menschenhandel zu sexuellen Zwecken offiziell ein Verbrechen in Schweden. Galt das Gesetz zunächst als zahnlos, können die Justizbehörden mittlerweile einige Erfolge vorweisen. Nach Ansicht der Staatsanwältin Ingela Klintberg hat das ganz einfache Gründe:

„Es werden jetzt schlichtweg mehr Urteile gefällt. Und das haben wir den Geldern des Justizministeriums zu verdanken. In unterschiedlichen Projekten haben wir es geschafft, die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der Staatsanwaltschaft deutlich zu verbessern. “

Finanzspritze vom Justizminister 

Mehr als drei Millionen Euro stellte Justizminister Thomas Bodström im vergangenen Jahr zur Verfügung, um den Menschenhandel in Schweden wirksamer bekämpfen zu können. Dennoch lauteten seitdem nur sechs Urteile auf Menschenhandel. Denn, wie Staatsanwältin Klintberg feststellt, Menschenhandel ist grenzüberschreitend, was juristische Probleme nach sich zieht:

“Menschenhandel ist ein schwer zu ermittelndes Verbrechen. Denn die einzelnen Beteiligten bilden unterschiedliche Glieder in der Kette. Da ist es manchmal unmöglich, jemandem nachzuweisen, dass er von den Taten eines anderen gewusst hat. Deswegen konnten viele Verdächtige nur wegen Kuppelei in Schweden verurteilt werden. Wir konnten bisher selten nachweisen, was in anderen Ländern passierte.“

Effektivere Ostsee-Kooperation 

Eine effektivere länderübergreifende Kooperation von Polizei und Staatsanwaltschaften sei also nötig, meint Klintberg. Der Grundstein dafür ist nun gelegt. Gemeinsam mit Juristen aus den Ostseeanrainerstaaten trifft sich die schwedische Staatsanwältin einmal im Jahr, um gemeinsam Strategien gegen den Menschenhandel zu entwickeln. Das vorläufige Ergebnis sei viel versprechend, findet Klintberg:

„Heute finden in den meisten Ländern entsprechende Ermittlungen statt. Zudem werden härtere Urteile gefällt. Anfangs ging es bei den Treffen noch um allgemeine Fragen wie die Auslegung von Gesetzestexten. Jetzt aber vergleichen wir konkret einzelne Urteile und überlegen, wie wir den Verantwortlichen im Gerichtssaal das Handwerk legen können.“

Durch seine verschärften Gesetze zu Sexhandel will Schweden eine Vorreiterrolle im Ostseeraum einnehmen. Dabei hofft das Land, mit härteren Urteilen den Menschenhandel im gesamten Ostseeraum eindämmen zu können.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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