Verschwendung von Steuergeldern?

Schweden ist erst jüngst erneut vom Europarat für seinen Rassismus gerügt worden. Ausländische Mitbürger werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert, Schwarzafrikaner scheitern regelmässig an Türstehern von Gaststätten und Diskotheken. Dagegen soll eigentlich das Zentrum gegen Rassismus antreten. Es wurde vor zwei Jahren auf Initiative der damaligen Integrationsministerin gegründet und bekam seitdem 14 Millionen Kronen an Steuergeldern, umgerechnet eineinhalb Millionen Euro. Doch getan hat sich nicht viel.

Das Zentrum gegen Rassismus hat sich für seine edle Aufgabe eine der teuersten Adressen in Stockholm ausgesucht, den Sveavägen. Die drei Angestellten arbeiten in einem 180 Quadratmeter grossen Büro. Noble Möbel sind erst jüngst angeschafft worden, inklusive Renovierung kostete das alles 35.000 Euro. Diese Fakten trug die Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ zusammen und untersuchte gleichzeitig, welche zündenden Ideen bisher an den Designerschreibtischen entstanden sind. Ergebnis: fast keine. Die Schatzmeisterin des Zentrums, Raili Borg, findet erwartungsgemäss, dies alles sei masslos übertrieben.

„Die eine Sache ist, das gesagt wird, wir hätten 14 Millionen Kronen bekommen. Das stimmt nicht, wir haben nur acht Millionen bekommen. Man hat einfach bereits gezahlte Gelder mit den zugesagten zusammengerechnet. Dann wird eben behauptet, wir hätten das Geld gekriegt, haben wir aber nicht.“

Unabhängig von der Höhe der tatsächlich ausgezahlten Unterstützung muss sich das Zentrum gegen Rassismus die Frage schon gefallen lassen, was dafür geleistet wurde. Es habe nur teure Konferenzen mit Hotelübernachtungen gegeben, es wurden Schlüsselringe und Radiergummis verteilt, aber keine Konzepte erstellt. So äussern sich laut „Svenska Dagbladet“ unzufriedene Mitglieder der ideellen Vereinigung.

Gemeinsam gegen Rassismus - doch wie?

Denn das Zentrum gegen Rassismus fungiert als Dachgesellschaft für Vereine in ganz Schweden, die gegen Rassismus in der Gesellschaft vorgehen sollen. Miguel Benito vom Immigranten-Institut in Borås war bei der Gründung des Zentrums dabei und ist ziemlich schnell enttäuscht wieder abgesprungen.

„Es sollten nur die Vorschläge aus den bereits bestehenden Arbeitsgruppen diskutiert werden, andere Vorschlage wurden nicht zugelassen. Demokratie bedeutet doch, dass alle mit Vorschlägen kommen können. Und dann stimmt man darüber ab. Aber das war nicht erlaubt.“

Schatzmeisterin Raili Borg verweist jedoch darauf, dass die Organisation schliesslich noch jung sei und vieles noch im Aufbau. Der zuständige Integrationsminister Jens Orback hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen um das Zentrum geäussert. Er reagierte auf die schwedische Art: Solange nicht die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, würde er nichts kommentieren, liess Orback verlauten.

Katja Güth