Wenige Einwanderer werden Polizisten

Vor mehr als einem Jahr startete die schwedische Polizei eine Werbekampagne, mit der Einwanderer für den Beruf des Polizisten begeistert werden sollten. Doch geholfen hat es kaum. Immer noch sind es vor allem ethnische Schweden, die die Ausbildung zum Polizisten antreten. Die Behörden fürchten nun, mit ihrem Personal die Bevölkerung nicht mehr ausreichend zu repräsentieren.

Vom ersten September an werden 408 junge Menschen in den Ausbildungsstätten Solna, Umeå und Växjö zu schwedischen Polizisten ausgebildet. Nur 70 davon haben einen nicht-schwedischen Hintergrund. Damit ist der Anteil von Auszubildenden, die entweder im Ausland geboren sind oder mindestens einen ausländischen Elternteil haben, im Vergleich zum Jahr davor zwar leicht gestiegen. Doch Ausbildungsleiterin Marie Andersson findet die mangelnde ethnische Vielfalt bei der Polizei weiterhin alarmierend:

„Am meisten fehlt es uns an Afrikanern. Wie haben hier so viele Einwanderer aus Somalia, aber fast keine Bewerbungen von Somalis. Auch Menschen südamerikanischen Ursprungs bewerben sich so gut wie keine auf unsere Stellen.“

Werbekampagne ohne Erfolg 

Mehrere Anzeigenkampagnen in Bussen und U-Bahnen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Jetzt sorgen sich die Verantwortlichen bei der Polizei darum, den Draht zu den Problembezirken der Großstädte ganz zu verlieren. Denn es sind nicht zuletzt die Vororte mit hohem Ausländeranteil, in denen auch die Kriminalität hoch ist. Mit entsprechendem Personal, das buchstäblich die Sprache der Menschen spricht, will Schwedens Polizei für Recht und Ordnung in diesen Gegenden sorgen.

Doch anstellte von Menschen mit afrikanischen oder arabischen Wurzeln bewerben sich neben den ethnischen Schweden meist solche mit europäischem Hintergrund auf die Ausbildungsplätze der Polizei. Ein Problem, meint Ausbildungsleiterin Marie Andersson. Denn immer häufiger geraten Schwedens Polizisten mit Einwanderern aneinander, weil sie nicht nur deren Sprache, sondern auch deren kulturelle Gepflogenheiten missverstehen. Deshalb müsse sich die Polizei ihre künftigen Auszubildenden noch gezielter bei den Teenagern in den Problembezirken suchen, meint Andersson:

„Wir müssen die Leute erreichen, lange bevor die Bewerbungsfrist abläuft. Dann tun wir alles, um sie für uns zu gewinnen.“

”Schlechte Erfahrung von zu Hause”

Und für den Polizisten Ali Darko, selbst Kind von Einwanderern, spielt auch ein anderes Problem eine Rolle beim schwedischen Rekrutierungsproblem:

„Eine Erklärung könnte sein, dass viele Einwanderer aus dem Nahen Osten schlechte Erfahrungen mit der Polizei ihres Heimatlandes gemacht haben. Und deswegen bewerben sich dann nur wenige hier für die Polizeiausbildung.“

Es bedarf also einer langfristigen Zielgruppensuche, will die Polizei künftig wieder als Ordnungsmacht gelten, die die gesamte Bevölkerung repräsentiert.

Alexander Schmidt-Hirschfelder