Weniger Touristen durch Algenblüte?

Die Algenblüte in der Ostsee ist die schlimmste seit 50 Jahren. Vor allem die Ostküste Schwedens ist betroffen. Der Algenteppich hat sich von Bornholm im Süden und um die Insel Gotland ausgebreitet, bis in die Stockholmer Schären und den Bottnischen Meerbusen. Jetzt schlagen die Gemeinden an den betroffenen Küsten Alarm. Sie befürchten, dass die Touristen ausbleiben.

Rhabarberkompott oder Erbsensuppe - so wird meist Aussehen und Beschaffenheit des Algenteppichs beschrieben, und damit ist schon klar: In Rhabarberkompott oder Erbsensuppe will man auf keinen Fall baden. Schon gar nicht, wenn noch ein muffiger Geruch dazu kommt. Und das, wo der schwedische Sommer so vielversprechend angefangen hat, mit Temperaturen um 30 Grad und strahlendem Sonnenschein. Gerade das schöne Wetter hat die Ausbreitung des Algenteppichs begünstigt. Nun fürchten die Gemeinden an der Ostseeküste sinkende Besucherzahlen. Gunnar Bohman ist für den Tourismus in Västervik zuständig:

„Das Wasser der Ostsee ist die wichtigste Ressource für den Tourismus an der gesamten Ostküste. Es ist wirklich wichtig, dass wir sauberes Wasser haben und nicht diese Umweltprobleme wie jetzt. Auf lange Sicht kann es eine Bedrohung für den Tourismus werden, wenn das Wasser schlechter wird.“

Alzheimer durch Schweden-Urlaub?

In diesen Tagen haben die Touristeninformationen an der Ostküste verstärkt damit zu tun, Urlauber über die Gefahren des Algenteppichs aufzuklären. 20 bis 25 mal pro Tag melden sich besorgte Touristen bei Eva-Lena Gabris in Karlskrona. Sie fürchtet, dass sich Urlauber künftig zweimal überlegen werden, ob sie gerade dort Ferien machen, wo die dicke, stinkende Algensuppe an die Strände schwappt.

„Man entscheidet sich doch dann, künftig woanders hinzufahren. Dorthin nämlich, wo die Voraussetzungen für Algenblüte eher nicht gegeben sind. Und so, wie es aussieht, wird es mit den Algen hier nämlich mit jedem Jahr schlimmer.“

Bei den Algen handelt es sich um Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt. Forscher vermuten, dass diese Bakterien wiederum ein Nervengift enthalten könnten, dass Alzheimer verursachen kann. Vom Baden wird daher abgeraten und vom Trinken sowieso. Denn die giftigen Algen können auch Übelkeit und Hautausschläge hervorrufen. „Alzheimer nach Badeurlaub in Schweden“ titelte erst jüngst die Tageszeitung „taz“ in Deutschland. Solche Schlagzeilen nähren die Befürchtungen der Tourismusexperten, dass Urlauber künftig Schwedens Ostseeküste meiden können. In diesem Jahr habe es in Västervik zwar noch keine Abbuchungen gegeben, so Tourismus-Chef Gunnar Bohman. Er glaubt aber, dass „die meisten abgeschreckt waren. 60 Prozent der Urlauber fahren ohne vorherige Buchung. Die haben bestimmt die Entwicklung der Algenblüte genau verfolgt.“

Erst die Bilanz zum Saisonende wird zeigen, welche Auswirkungen der stinkende Algenteppich tatsächlich auf den Tourismus an der Ostseeküste hat. Västervik jedenfalls konnte zum skandinavischen Bootstreffen mehr Besucher als erwartet begrüssen.

Katja Güth