John Hron. Foto: Privat
John Hron. Foto: Privat
17. August 2005

Projekte gegen Neonazis

Heute jährt sich der Mord an John Hron zum zehnten Mal. Der Fall hat damals wie heute in Schweden Aufmerksamkeit erregt. Denn die Täter waren junge Neonazis und das Opfer ein 14 jähriger schwedischer Junge. Das Entsetzen war gross damals und an den Schulen wurden zahlreiche Projekte gegen den blinden Rassismus gestartet. Zeit für eine Bestandsaufnahme, denn in den letzten Jahren haben Verbrechen mit rassistischem Hintergrund in Schweden erneut zugenommen.

Der Mord war grausam. Vier junge Neonazis verprügelten John Hron. Eine Stunde lang kämpfte der 14-Jährige um sein Leben, ehe er von seinen Mördern ertränkt wurde.

Der Fall hatte Signalwirkung, wie der Journalist des Antirassimusmagazins Expo, Daniel Poohl erklärt: „Ich glaube schon, dass der Mord damals eine grosse Bedeutung hatte. Das war ein Warnsignal, dass auch Menschen, die nicht Einwanderer oder homosexuell sind, Opfer der Gewalt durch Neonazis werden können.“  

Der Schock sass tief in der schwedischen Gesellschaft – nicht nur am Ort des Geschehens, der westschwedischen Gemeinde Kungälv. Doch überraschend war es nicht, so Christer Mattson: „Das war ja unwahrscheinlich, dass sowas passieren konnte. Aber es war kein Zufall. Die Voraussetzung, dass ein Mord durch Neonazis begangen wird, ist, dass es Neonazis gibt. Und die gab es in Kungälv –zuvor und auch danach. Nicht sehr viele, aber um einem Einzelnen grosses Leid zuzufügen, braucht es nicht viele.“

Wendepunkt Auschwitz

Christer Matsson hatte nach der Tat eine Initiative gegründet. Sein „Toleranzprojekt“ bringt Schüler in Gesprächsgruppen zusammen. Dort wird über den Rassismus und über die Verbrechen der Nazizeit geredet. Den Abschluss bildet eine Reise zu den Konzentrationslagern von Auschwitz.

Eine Reise, die Tobias Wallin, der bis dahin mit den Neonazis sympathisiert hat, die Augen öffnete: „Das war während einer Zeremonie in Auschwitz-Birkenau. Wir sassen in einem grossen Kreis und Christer Matsson erzählte von einigen Schicksalen. Das hat mich tief beeindruckt. Ich fühlte mich merkwürdig. Ich habe das dann in vielen Gesprächen mit anderen Jugendlichen und auch Ausländern verarbeitet. Das war ein Wendepunkt.“

Die Schülerin Miriam Mattisson hat am gleichen Projekt teilgenommen. Äusserlich scheint sie nicht viel verstanden zu haben, denn sie trägt das Eiserne Kreuz um den Hals, aber innerlich hat doch eine Veränderung stattgefunden, wie sie erzählt: „Ich finde das Kreuz einfach nur schön wegen des Aussehens und kümmere mich nicht darum, wofür es steht. Es handelt sich doch um Ansichten. Rassist zu sein, erscheint einem als frech und aufmüpfig. Aber wenn man dann die Wahrheit sieht, erscheint das Ganze sehr schrecklich. Wie man überhaupt so denken und sein kann.“

Das Bewusstsein scheint geschärft, bei den Schülern in Kungälv. Dennoch ist das noch lange kein Grund die Hände in den Schoss zu legen, warnt Christer Mattson: „Es gibt in Schweden recht viele Gebiete, die neonazistische Traditionen mit starker Lebenskraft und Kontinuität aufweisen. Einige schon seit mehr als 70 Jahren.“

In die Vorstellungswelt eindringen 

Die Herausforderung, gegen Neonazitum und Rassismus anzugehen, muss also immer wieder erneut angenommen werden. Man muss in die Vorstellungswelt der Jugendlichen eindringen, meint auch Journalist Daniel Poohl: „Es gibt unterschiedliche Methoden. Für diese Probleme gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Das ist eine Herausforderung für die Gemeinden. Man kann so wie in Kungälv arbeiten. Man kann aber auch den Jugendlichen, die Neonazis einfach nur aufmüpfig finden anders begegnen, indem man die antirassistischen Gruppen mehr unterstützt. Es muss einfach cool sein, Antirassist zu sein. „

Die Arbeit damit ist auch in Schweden lange nicht zu Ende. Im Gegenteil. Die Anzahl der Verbrechen mit rassistischem Hintergrund hat in den letzten Jahren erneut markant zugenommen.

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".