Pinters Rede vor der Nobelakademie
Nobelpreis

Pinter greift USA scharf an

Wenn am Samstag in Stockholm die Nobelpreise überreicht werden, wird ein Preisträger nicht dabei sein – Harold Pinter. Der diesjährige Literaturnobelpreisträger kann aufgrund seiner Krankheit London nicht mehr verlassen. Deswegen kam seine Nobelvorlesung gestern Abend in Stockholm nur von der Leinwand – was die Schlagkraft seiner Worte allerdings nicht minderte. Denn Pinter äusserte sich erwartungsgemäss hochpolitisch und sorgte damit beinahe für einen Eklat.

„Kunst, Wahrheit und Politik“. Mit dieser Überschrift hatte Pinter seinen rund einstündigen Vortrag vor der Nobelakademie versehen. Tatsächlich machte die Politik den Hauptteil seiner Rede aus.

Von der Leinwand herunter wetterte ein sichtlich von seiner Krebserkrankung geschwächter Pinter über die Aussenpolitik der USA nach dem Zweiten Weltkrieg: „Die USA interessieren sich einen Dreck für die Vereinten Nationen oder internationales Recht. Dabei können sie immer ihr williges, blökendes Schäfchen hinter sich herziehen – das erbärmliche Grossbritannien.“

„Asymmetrische Kriegsführung” 
Früher hätten die USA eine – so wörtlich – asymmetrische Kriegsführung betrieben. Rechte Militärdiktaturen hätten die Amerikaner unterstützt, indem sie die leidenden Völker gezielt haben ausbluten lassen. Als Beispiele nannte der Literaturnobelpreisträger unter anderem Chile, Griechenland und Nicaragua. Doch nach den Anschlägen des 11. September 2001, die Pinter ausdrücklich als Gräueltaten brandmarkte, hätten die USA ihre Strategie geändert.

Das Beispiel Irak zeige, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten keinen Wert mehr auf Zurückhaltung legten, meinte Pinter: „Die Invasion des Irak war ein verbrecherischer Akt, eine Form von Staatsterrorismus. Deswegen wäre es nur gerecht, Bush und Blair vor den Internationalen Menschrechtsgerichtshof zu stellen. Aber der clevere Bush hat das Gericht nie anerkannt. Blair schon. Darum kann er belangt werden. Sollte das Gericht Interesse an seiner Person haben, hier ist seine Adresse: Downing Street Nummer 10, London.“

Diplomatische Spannungen verhindern
Deutliche Worte, die geeignet sind, für diplomatische Spannungen zu sorgen.

Deshalb war der Vorsitzende der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, im Anschluss an Pinters Vortrag sichtlich um Schadensbegrenzung bemüht: „Ich verstehe seine Rede als einen leidvollen Ausdruck seiner Überzeugung. Es bedarf einer Veränderung der Welt, um dem Begriff der Menschenwürde eine neue Bedeutung zu geben. Ich glaube, niemand hat diesen Saal hier verlassen, ohne von der Rede bewegt gewesen zu sein.“

In jedem Fall spaltet der politische Autor Harold Pinter die Öffentlichkeit. Während USA-kritische Stimmen seine Ansichten geradezu feiern, meldeten sich in Schweden Exil-Kubaner und Exil-Albaner zu Wort. Sie meinen, Pinter rede mit seinen antiamerikanischen Tiraden Diktatoren wie Fidel Castro oder Slobodan Milosevic das Wort.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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