Lutschtabak Snus: Keine gesunde Alternative

Snus, das ist der Lutsch- oder Kautabak, auf den mittlerweile jeder fünfte Schwede nicht verzichten möchte. Das Interesse bei den schwedischen Frauen hält sich vergleichsweise in Grenzen. Nur 3% von ihnen schieben sich regelmässig den Tabak unter die Oberlippe. Snus färbt Zähne und Zahnfleisch braun und die Oberlippe wölbt sich als hätte man eine örtliche Betäubung. Das sieht zwar hässlich aus, aber in den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Snus-Benutzer trotzdem kontinuierlich gestiegen. Eine neue Studie hat jetzt herausgefunden, dass Snus aber keineswegs eine ungefährliche Alternative zu herkömmlichem Tabak ist.

Es ist die grösste Untersuchung, die jemals über schwedischen Snus gemacht wurde. Und das Ergebnis ist nicht gerade erfreulich: Durch den regelmässigen Gebrauch von Snus steigt das Krebsrisiko. Und wer snust, läuft auch Gefahr, eher an Herzkreislauferkrankungen zu sterben. Werdende Mütter sollten ebenfalls abstinent sein, denn Snus kann auch Frühgeburten hervorrufen und das Wachstum des Kindes bremsen. Gunnar Ågren von der Gesundheitsbehörde:

„Aller Wahrscheinlichkeit nach fördert Snus die Entwicklung von Bauchspeicheldrüsenkrebs, und das ist leider eine sehr ernste und schwer zu behandelnde Krebsart. Ausserdem führt Snus wahrscheinlich zu einer höheren Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten, auch wenn Snus nicht direkte Ursache von Herzinfarkten ist.“

Auch Snus ist krebserregend

Doch was genau im Lutschtabak Snus ist krebserregend? Snus besteht aus gemahlenem Tabak, Nikotin und Salzen sowie Feuchtigkeit spendenden Stoffen und Aromen. Als am gefährlichsten beurteilen die Forscher die so genannten Nietrosamine. Sie sind in jedem Tabak enthalten und gelangen deshalb auch in jeder Form des Genusses in den Körper.

Wer also Tabak lutscht, statt ihn zu rauchen, tut sich längst nichts Gutes. Deshalb ist Barbro Holm Ivarsson von der Gesundheitsbehörde auch entgeistert über das Verhalten mancher Ärzte, die Rauchern zum Abgewöhnen ihres Lasters den Lutschtabak empfohlen haben:

„Ich kann das nicht nachvollziehen. Vielleicht haben schwedische Ärzte ja wirklich geglaubt, Snus sei ungefährlich. Doch mit der Studie jetzt ist das unmöglich. Ich hoffe, dass die Ärzte nun umdenken.“

Pro Snus: Rauchverbot in Kneipen

Doch auch unabhängig von dem ärztlichen Rat dürfte es schwierig werden, die schwedische Allgemeinheit von der Gefährlichkeit des Lutschtabaks zu überzeugen. Seit dem 1. Juni herrscht in Schwedens Kneipen, Cafés und Restaurants Rauchverbot. Wer dringend einen Zug an der Zigarette braucht, muss vor die Tür gehen. Viele Bars bieten deshalb in einem hell erleuchteten Kühlschrank ein ganzes Sortiment an Snus-Sorten an. Der Vorteil: Der Gast bekommt seine Dosis Nikotin und trinkt im einträglichen Takt weiter.

Bislang hat man das Gesundheitsrisiko aufgrund von Lutschtabak schlicht unterschätzt. Im Vordergrund standen immer die Nebenwirkungen von Zigaretten und Zigarren. Daher war es in der Vergangenheit auch schwierig, ein so umfassendes Forschungsprojekt zu finanzieren. Die Gesundheitsbehörde plant nun eine Kampagne zur Verbreitung der neuen Erkenntnisse.

”Snus-Verbot wäre wünschenswert”

Barbro Holm Ivarsson würde am liebsten noch einen Schritt weitergehen und den Lutschtabak ganz verbieten:

„Dafür würde ich mich zu gern einsetzen, aber so ein Verbot kann man nicht über Nacht erlassen. Es gibt ja so viele Snus-Benutzer. Allein jeder dritte Mann ist nikotinabhängig und muss mehrfach am Tag seine Dosis haben, um überhaupt als Mensch funktionieren zu können – privat und im Beruf. Aber wünschenswert wäre ein Verbot durchaus.“

Europaweite Ausnahme

Der Europäische Gerichtshof bewies schon im vergangenen Jahr den richtigen Riecher: Er beschloss ein EU-weites Verbot von Snus, und wies damit eine Klage des schwedischen Tabakkonzerns Swedish Match wegen Diskriminierung ab. Vom Verbot ausgenommen ist einzig Schweden. Wenn die hiesige Gesundheitsbehörde nicht kräftig Alarm schlägt und nicht bald die ersten Todesfälle aufgrund von Snus Schlagzeilen machen, werden wohl auch weiterhin rund eine Million Schweden an ihrem Lutschtabak festhalten.

Liv Heidbüchel

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