Klassischer Lesegenuss: „Buddenbrooks” in schwedischer Neuübersetzung

Der Verlag Bonnier hat eine Neuübersetzung der „Buddenbrooks“ von Thomas Mann auf den Markt gebracht. Die erste Auflage von 5000 Stück ist bereits verkauft, das ist selten für einen deutschen Autor. Dieses Jahr begeht auch der deutsche Buchhandel den 50. Todestag des Nobelpreisträgers, und sein Erstlingswerk über den Verfall einer Lübecker Kaufmannsfamilie zwischen den Jahren 1830 und 1880 scheint auch heute noch aktuell. Aber gilt das auch in Schweden?

Verlagschefin Eva Bonnier jedenfalls war der Meinung, „Die Buddenbrooks“ sei absolut ein Buch für eine größere schwedische Leserschaft. Um das zu entdecken, musste Eva Bonnier selbst allerdings erst eine neue englische Übersetzung lesen:

„Und die machte mir klar, dass dieses Buch ein modernes Publikum anspricht. Es kommt einem überhaupt nicht alt vor, sondern vieles passt zu unserer heutigen Zeit. Das Familienleben ist nicht einzig aufs Bürgertum beschränkt, sondern es gibt diese ewigen Familienfragen, in denen man sich auch heute wieder findet. Außerdem ist das wirklich gute Unterhaltungsliteratur. „Die Buddenbrooks“ sind das, was die Briten „a good read“ nennen.“

Nach hundert Jahren war es an der Zeit

Vor 101 Jahr brachte der Bonnier-Verlag schon einmal eine Übersetzung der Buddenbrooks heraus, die einzig vollständige. Seitdem kamen immer nur gekürzte Versionen oder Überarbeitungen vorheriger Übersetzungen. Eva Bonnier findet, dass eigentlich jede Generation eine Neuübersetzung der Klassiker bräuchte:

„Klassiker werden früher oder später aktuell, aber Übersetzungen altern eben viel schneller als das Original. Sie in Deutschland müssen natürlich mit Manns Sprache leben, aber das kann man nicht vergleichen. Übersetzungen altern, weil ja ihre Sprache auch altert, Modewörter zum Beispiel.“

Dass aber Thomas Mann so unterhaltsam ist, können sich viele sicher kaum vorstellen. Bei der Präsentation der Neuübersetzung gestern im Stockholmer Goethe-Institut allerdings war der Saal vollbesetzt, gut 100 Besucher älteren Semesters drängelten sich und wollten erfahren, wie die Übersetzerin zu Werke gegangen ist.

Renommierte Übersetzerin gewonnen

Die Übersetzerin ist keine geringere als Ulrika Wallenström, eine Größe in ihrem Fach. Sie übersetzte auch Musil, Weiss und Böll aber auch aktuellere Autoren wie Bernhard Schlink und Jenny Erpenbeck. Eineinhalb Jahre hat Ulrika Wallenström für die 662 Seiten Buddenbrooks gebraucht, immerhin noch halb so lang wie der Autor seiner Zeit, um das Original zu verfassen.

„Das hat ja damals auch der deutsche Verleger von Thomas Mann gesagt: Bitte, lieber Autor, könnten Sie den Text nicht auf die Hälfte kürzen?”, erzählt Ulrika Wallenström und gerät dann richtig ins Schwärmen: „Das war ja sein Debütroman und das ist wirklich unglaublich. Dieses Buch hat mich belehrt. Es ist auch so lustig und locker und gleichzeitig so reich. Ein ganz wunderbarer Text.”

Warten auf Klassiker

Eineinhalb Jahre tauchte Ulrika Wallenström in Thomas Manns Welt ein - dankbar, wie sie sagt. Eigentlich hätte die Übersetzerin das Manuskript vier Monate eher liefern sollen, doch, wie sie freimütig bekennt, spielen ein paar Monate bei Klassikern keine grosse Rolle: „Nun hat das Publikum ja eh schon einhundert Jahre gewartet.”

Der Bonnier-Verlag zog den 50. Todestag übrigens zu Anfang nicht mit in seine Betrachtungen hinein. Das sei eine typisch deutsche Tradition, meint Übersetzerin Wallenström verwundert. Da man ja normalerweise den Geburtstag feiert, findet sie eine Huldigung zum runden Todestag eher befremdlich.

Viel Lob von Rezensenten

Ob makaber oder nicht, Ulrika Wallenström ist rechtzeitig fertig geworden und die Rezensenten sparen nicht mit Lob. Gerade weil sie so nah am Original arbeitet, kommen Manns süffisant-ironische Beschreibungen des dekadenten Bürgertums voll zum Tragen. Man regt sich nicht auf, sondern ist echauffiert, man trägt Beinkleid und keine Hosen und natürlich schadet ein gepflegtes Französisch auch im Schwedischen nicht. „Assez!“ lautet die Aufforderung statt zu sagen „Jetzt reicht’s aber!“

Schwedische Prosa aus dem 19. Jahrhundert, die keineswegs antiquiert klingt. Thomas Manns Buddenbrooks für überzeugte Anhänger und solche, die es noch werden wollen, jetzt also auf Schwedisch. Das Buch vom Bonnier Verlag kostet 265 Kronen, also rund 27 Euro.

Liv Heidbüchel

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