Tsunami: Kritik an Regierung hält an

Der Skandal um das Versagen der schwedischen Regierung nach der Tsunami-Katastrophe reisst nicht ab. Einen weiteren Beleg für gravierende Mängel im damaligen Informationsfluss lieferte jetzt ausgerechnet der engste Mitarbeiter des Ministerpräsidenten. Lars Danielsson, Staatssekretär in der Regierungskanzlei, kann sich plötzlich nicht mehr an Kontrakte erinnern, auf die er zuvor Stein auf Bein geschworen hatte. 

Die Spitzenpolitiker wussten zu spät zu wenig, die linke Hand wusste nicht was die rechte tat. So lässt sich das betrübliche Bild zusammenfassen, das Schwedens Regierung in den ersten Stunden und Tagen nach dem Tsunami abgab und das die Katastrophenkommission in ihrem Bericht Anfang Dezember bestätigte. Wer war schuld am Chaos? „Ich nicht“, so der Tenor sämtlicher Beteiligter. Lars Danielsson hatte vor der Kommission erklärt, er habe am Tag des Tsunamis mehrfach, alles in allem genau drei Mal, mit einem führenden Mitarbeiter des Aussenministeriums telefoniert, Hans Dahlgren. Dahlgrens Informationen über den Stand der Dinge habe er an seinen Chef Göran Persson weitergegeben.

War dies eine Lüge, oder war es Gedächtnisschwäche? Dahlgren jedenfalls bestreitet, überhaupt mit Danielsson gesprochen zu haben – und der musste jetzt eingestehen:

“Ich hatte Kontakte mit dem Aussenministerium, aber mit wem ich da nun genau gesprochen habe und wann das war, das kann ich jetzt nicht mehr sagen. Ich führe grundsätzlich nicht täglich Aufzeichnungen über alle meine Kontakte. Anderswo, beispielsweise in den USA, hat man solch ein System, aber nicht hier in Schweden.“

Eigenartig nur, dass sich der Staatssekretär noch vor kurzem über die Art seines Kontaktes so sicher war. Doch eigentlich, versuchte er nun die Wogen zu glätten, sei es doch gar nicht so wichtig, mit wem er gesprochen habe. Er habe Informationen vom Aussenministerium bekommen und diese weitergeleitet – das sei entscheidend. Tatsache bleibt gleichwohl: der engste Mann des Ministerpräsidenten hat vor der Untersuchungskommission die Unwahrheit gesagt. Zeit  also, von seiner Funktion zurückzutreten? Nein, offenbar bleibt auch Danielsson vorerst ungeachtet harter Kritik am Platz – ebenso wie sein Chef Göran Persson. Der missbilligt zwar Danielssons Gedächtnislücken, hält aber gleichzeitig seine schützende Hand über ihn:

”Diese Diskussion ist nicht gut. Sie ist belastend für ihn und somit auch eine Belastung für mich. Aber er ist ein sehr guter Mitarbeiter, der viele Jahre lang Ausserordentliches geleistet hat. Die Diskussionen über seine Erinnerungen sind nicht gut, aber der Sachverhalt ist nicht von einer Art, dass er sein Amt verlassen sollte”, sagt Göran Persson.

Damit steht an diesem Dienstag zumindest eines fest: auf persönliche Konsequenzen aus dem Versagen der Regierung warten viele Menschen hier zu Lande weiter vergebens.

Anne Rentzsch

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