Mutmasslicher Terrorist wird abgeschoben?

Die Festnahme eines schwedischen Staatsbürgers in Prag hat in den tschechischen Medien für enorme Aufmerksamkeit gesorgt. In Schwedens Medien sind die Berichte vergleichsweise spärlich – Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich mit Kommentaren äusserst bedeckt. Wie Radio Schweden am Dienstag meldete, hatte Interpol nach dem 39-Jährigen weltweit gefahndet. Er steht im Verdacht enger Verbindungen zum Terrornetzwerk al Qaida. Ein tschechischer Richter wird nun über seine eventuelle Auslieferung an die USA entscheiden.

Eigentlich hatte es ein schöner Besuch bei Freunden und Verwandten daheim im Libanon werden sollen. Doch die Reise, die der mutmassliche Terrorist am vergangenen Wochenende von Stockholm aus antrat, erwies sich im Nachhinein für ihn als keine gute Idee. Bei der Zwischenlandung in der tschechischen Hauptstadt wurde er umgehend verhaftet.

Interpol hatte die weltweite Fahndung nach Hinweisen aus den USA ausgerufen. Die Vereinigten Staaten werfen dem Mann vor, er habe sich im Jahre 1999 in Oregon auf einer Farm aufgehalten, die als Trainingscamp für Terroristen diente. Amerikanische Terror-Hysterie oder ernst zu nehmender Verdacht? Durchaus letzteres, meint der schwedische Staatswissenschaftler Said Mahmoudi.

”Interpol hat ausserordentlich strikte Regeln. Wenn ein bestimmtes Land einer Person Verbrechen vorwirft und Beweise dafür vorlegt, reicht das noch lange nicht aus. Die Belege werden sorgfältig geprüft, danach entscheidet man dann in jedem einzelnen Fall. Für den verdächtigen Schweden bedeutet das also, Interpol hat die Angaben aus den USA geprüft und befunden, dass sie eine internationale Fahndung rechtfertigen“, gibt Mahmoudi zu bedenken.

Schweden hingegen schien all das nicht sonderlich zu stören. Das Auslieferungsgesuch der USA wischte man gleich einmal vom Tisch – schwedische Staatsbürger werden grundsätzlich nicht in die USA ausgeliefert. Überhaupt konnte der mutmassliche Terrorist in einem Stockholmer Vorort ein von lästigen Fragen recht ungestörtes Leben führen. Zwar wurde er im Jahr 2003 unter dem Verdacht der Vorbereitung eines Terroranschlags festgenommen. Nach nur zwei Stunden in Untersuchungshaft war er jedoch wieder frei. Zu dünne Beweislage, befand die Staatsanwaltschaft. Genaueres ist zu dem Fall derzeit nicht zu erfahren – alle Beteiligten wurden zu Stillschweigen verpflichtet. Wenig später wurde der 39-Jährige dann doch verhaftet – aber nur wegen Waffenbesitzes. Aus seinen politischen Sympathien machte er hier in Schweden keinen Hehl. So bekannte er in der Tageszeitung Dagens Nyheter seine Liebe zu bin Laden und bezeichnete die Anschläge vom 11. September als „super“. All dies blieb ohne rechtliche Konsequenzen.

Nun also könnte das geruhsame Leben für den Mann ein Ende haben. Mit der Entscheidung über seine eventuelle Ausweisung in die Vereinigten Staaten wird für die nächsten Tage gerechnet.

Für Nachschub aus dem Terroristenlager ist unterdessen schon gesorgt: Nach Angaben der Zeitung „Expressen“ halten sich derzeit an die 10 frühere al-Qaida-Mitglieder in Schweden auf. Laut „Expressen“ haben sie hier um Asyl angesucht.

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