Einwanderer unter Verdacht

Auf die Frage nach dem schwedischen Standard-Verbrecher hat eine neue Studie nun die Antwort gefunden: Es ist der in Schweden Geborene, dessen Eltern ebenfalls gebürtige Schweden sind. Mitnichten ist es also der gemeine Einwanderer, wie das hässliche Vorurteil immer wieder nahe legt. Die umfassende Studie des Beirats für Kriminalitätsverhütung kommt aber auch zu einem anderen interessanten Schluss: Einwanderer werden weit häufiger des Verbrechens verdächtigt als Einheimische. 

Auch im Jahr 2005 gilt offenbar noch: Wer rein äusserlich nicht der Norm entspricht, macht sich im Zweifelsfall verdächtig. Zu diesem Schluss kommt die lang erwartete Studie des Beirats für Kriminalitätsverhütung. Sie hat untersucht, wer unter Schwedens Einwohnern zwischen den Jahren 1997 bis 2001 im Polizeiregister aufgetaucht ist. Dabei geht es allerdings allein um das Verdachtsmoment, nicht um erwiesenermassen begangene Verbrechen.

Ergebnis der Studie: Während fünf Prozent der schwedischen Bevölkerung im untersuchten Zeitraum unter Tatverdacht standen, wurden immerhin zwölf Prozent der Einwanderer des Verbrechens verdächtigt. Doch selbst diesen Zahlen ist noch etwas Positives abzugewinnen, meint Stina Holmberg vom Beirat für Kriminalitätsverhütung. Schliesslich sinkt die Zahl der Verdächtigten unter den Einwanderern der zweiten Generation.

„In anderen Ländern ist es genau andersherum. Dort nehmen die Probleme unter den Einwanderern der zweiten Generation zu. Das deutet darauf hin, dass das schwedische Wohlfahrtsmodell doch funktioniert hat - selbst in dieser schwierigen Phase, die wir untersucht haben.“

Arbeitslosigkeit und Armut trifft Einwanderer

Gemeint sind die 90er Jahre, die von Sozialkürzungen und steigender Arbeitslosigkeit gekennzeichnet waren. In der Zeit nahm Schweden rund 300.000 Flüchtlinge auf. Stina Holmberg erinnert daran, dass Arbeitslosigkeit und Armut die Einwanderer besonders hart trafen. Auch heute belegen regelmässig Studien, dass Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind – sei es aufgrund eines fremd klingenden Namens, eines Akzents oder schlicht der Hautfarbe.

Mimo Qadri ist gebürtiger Palästinenser und für ihn steht fest, dass Verbrechen unter Einwanderern auf Mängel in der schwedischen Gesellschaft deuten:

„Ich habe Freunde, die genau in das Schema passen. Sie haben es wirklich versucht, sind aber gescheitert und haben dann Sachen gemacht, die nicht ganz in Ordnung sind. Ich glaube, dass die Gesellschaft so aufgebaut ist, dass man nicht so leicht reinkommt wie man meinen könnte. Mir selbst ist es gelungen, aber das waren viele Jahre harte Arbeit.“

Integrationsfähigkeit kulturell bedingt

Auch wenn sich der Bericht bemüht, der Fremdenfeindlichkeit keinen Vorschub zu leisten, so müssen die Verfasser doch eins eingestehen: Manchen Menschen fällt die Integration leichter als anderen. Die Ursache dafür liegt im kulturellen Hintergrund. So geraten etwa Asiaten selten auf die schiefe Bahn. Menschen aus Nordafrika und dem Mittleren Osten sind dagegen in der Verbrechensstatistik überrepräsentiert.

Besonders gefährdet sind laut Bericht diejenigen, die im Schulalter nach Schweden kommen. Stina Holmberg vom Beirat für Kriminalitätsverhütung:

„Das ist ein Signal an die schwedische Gesellschaft, dass wir diese Kinder und Jugendlichen besser unterstützen müssen, damit sie dieselben Chancen bei der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt haben wie ihre schwedischen Altersgenossen.“

Liv Heidbüchel

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