Skandal bei Einwanderungsbehörde weitet sich aus

Die Einwanderungsbehörde muss um ihren Ruf bangen. Nicht, dass sie vorher ein besonders hohes Ansehen bei Schweden und Einwanderern genoss, doch nun häufen sich die Skandale und rufen nach Konsequenzen für die Verantwortlichen. Diese Woche wurden gleich mehrere Fälle bekannt, in denen sich Behördenmitarbeiter auf Kosten von Asylbewerbern vergnügten. So feierten etwa Abteilungen die geglückte Ausweisung von Antragstellern mit Champagner und Torte. Es hat sich auch gezeigt, dass manche Abteilungsleiter ihrer Rolle nicht gewachsen sind.

„Gucken Sie mich an, wenn ich mit Ihnen spreche!“ In dieser aggressiven Form forderte eine Abteilungsleiterin von der Einwanderungsbehörde einen irakischen Asylbewerber zu mehr Aufmerksamkeit auf. Das besonders perfide: Der Mann ist sehbehindert.

Doch damit nicht genug. Die Behördenmitarbeiterin verliert vollständig die Kontrolle und schreit den Mann an: „Sind Sie ein kleines Kind oder ein erwachsener Mann? Wir sind nicht Ihre Eltern, nun müssen Sie auch mal alleine klarkommen.“

Genau das kann der Mann aber nicht, sagt er. Er möchte deshalb eine Zugehhilfe oder aber einen Platz in einem Blindenheim. Zuviel verlangt, findet offensichtlich die Behörde. Mit einem Handy hat der Freund und Dolmetscher des Asylbewerbes das Gespräch aufgezeichnet, das nun die Frage aufwirft, ob in der Einwanderungsbehörde einwandererfeindliche Tendenzen herrschen.

”Die Chefs sind verantwortlich”

Charles Westin ist Mitglied im ethischen Rat der Behörde, wie die meisten ist er entsetzt über die jüngsten Enthüllungen:

„Ich kann verstehen, dass einzelne Sachbearbeiter Fehler machen und sich mal im Ton vergreifen. Schlimmer ist, dass sich eine bestimme Kultur in der Behörde auszubreiten scheint, und dafür sind die Chefs verantwortlich. Es ist wichtig, dass ethische und moralische Vorstellungen, auf denen unsere Gesellschaft fusst, auch für die Arbeit in den Ämtern gelten.“

Kritiker halten die falschen Signale von oberster Ebene für die Hauptursache von nahezu rassistischer Stimmung in der Behörde und forderten deshalb die Generaldirektorin der Einwanderungsbehörde, Janna Valik, zum Rücktritt auf. Valik selbst will auf ihrem Posten bleiben, bat jedoch alle Betroffenen um Entschuldigung für das unangemessene Verhalten ihrer Angestellten.

Künftig Moral und guten Ton fördern

Unter dem starken Druck der Öffentlichkeit präsentierte die Generaldirektorin nun ein Sechs-Punkte-Programm. Moral und guter Ton sollen bei der Behörde wieder gross geschrieben werden, ist die deutliche Botschaft.

Ausserdem kündigte Valik eine Untersuchung der Fälle an, in denen das Personal auf Einladung der Abteilungsleiterinnen hin die Abschiebung von Asylbewerbern feierte. Bis zum Ende der Untersuchungen, sind die entsprechenden Chefs vom Dienst suspendiert.

Liv Heidbüchel

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