Diskriminierung von Schwangeren

Immer mehr schwangere Schwedinnen fühlen sich am Arbeitsplatz diskriminiert. Die Zahl der Anzeigen durch werdende Mütter beim Gleichstellungsombudsman hat in diesem Jahr deutlich zugenommen.

Die Zahl der Anzeigen ist im Vergleich zum Vorjahr um über die Hälfte gestiegen. Eva Nikell, Informationschefin bei der Gleichstellungsbehörde, wundert das nicht. „In den letzten vier bis fünf Jahren habe wir ein stetes Anwachsen beobachtet. Wir glauben, dass mehr Anzeigen erstattet werden, weil immer mehr Frauen wissen, dass Schwangere am Arbeitsplatz nicht diskriminiert werden dürfen.“

Hohe Dunkelziffer
Dass zwei bis drei Frauen pro Monat Anzeige wegen Diskriminierung erstatten, mag wenig erscheinen. Aber Schweden ist ein kleines Land mit rund neun Millionen Einwohnern, und Eva Nikell vermutet, dass viele Frauen sich diskriminiert fühlen, aber nicht zum Gleichstellungsombudsman gehen. „Die Dunkelziffer ist enorm. Die allermeisten Frauen sind sich des Problems bewusst. Daher bauen viele ihr Berufsleben rund um geplante Schwangerschaften auf.“

Solche Lebensplanung wird von den Arbeitgebern teilweise erwartet und sogar ausgenutzt, wie der Fall einer Frau zeigt, der gerade ein begehrter Job angeboten worden ist:

„Mein Chef wollte mich angeblich sehr gerne in sein Team aufnehmen, aber eine Schwangerschaft passte da nicht so gut, die Anstellung sei ja langfristig gedacht. Wenn mit der Schwangerschaft alles klappte, würde ich mich zur Geburt gerade eingearbeitet haben. Deshalb hatte er seine Kollegin Karin gebeten mir so behutsam wie möglich zu erklären, dass er bereit war, die ersten Labortests abzuwarten, ob meine Schwangerschaft gut verlief oder ob ich sie vielleicht abbrechen müsste. Bei einem Abbruch würde ich den Jobb bekommen.“

Am häufigsten sind Anzeigen wegen Kündigungen und Vertretungen oder Probeanstellungen die nicht verlängert werden. Dabei steht dann oft Aussage gegen Aussage. Fast ein Drittel der Fälle in diesem  Jahr ist bereits mit dem Gutachten „keine Diskriminierung“ abgeschlossen worden. Häufig weisen die Arbeitgeber auf Arbeitsmangel hin, und der ist schwer zu widerlegen.

Alle Fälle anzeigen
Dennoch sollte keine Schwangere vor einer Anzeige zurückschrecken, findet Eva Nikell von der Gleichstellungsbehörde: „Das ist immer sinnvoll, wenn man sich diskriminiert fühlt. Es ist wichtig, dass wir diese Art von Gesetzesverstössen ernst nehmen.“

Nur in einem Fall ist es der Behörde in diesem Jahr gelungen einen Vergleich zwischen Arbeitnehmerin und Arbeitgeber zu erzielen. Ein anderer soll vor dem Arbeitsgericht verhandelt werden.

Sybille Neveling

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