Presseschau zur Citymaut

Die gestern neu eingeführte Citymaut beschäftigt die schwedischen Medien erwartungsgemäss. Rund ein Viertel weniger Verkehr gab es am ersten Tag. Für die einen ein Segen – für anderen ein Fluch. Diese gegensätzlichen Haltungen spiegeln sich auch in der schwedischen Presse wieder.

Das Ereignis in Stockholm hat auch die Blätter in anderen Regionen Schwedens bewegt. Einmal mehr sind alle Augen auf die Hauptstadt gerichtet. So schreibt der sozialdemokratische „Dalademokraten“ aus Falun:

„Die Initiative zur Citymaut ist gut, aber einiges ist eben bei der Durchführung schiefgegangen. Zum einen trifft es Leute mit geringem Einkommen. Die paar Kronen summieren sich schnell zu ein paar Tausend im Laufe der Wochen und Monate. Aber auf Dauer ist die Maut gut für die Umwelt. Je schmutziger die Luft, desto länger die Wartschlangen in den Krankenhäusern und desto höher werden die Abgaben. Das wäre ein noch härterer Schlag für Leute mit wenig Geld im Portemonnaie. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Versuch nur 7 Monate dauert. Das ist zu kurz, dass sich die Menschen an Buss und U-Bahn gewöhnen und zu kurz um die Menschen davon zu überzeugen, dass die Luft tatsächlich besser geworden ist. Das Risiko ist gross, dass das Geld für den Versuch zum Fenster hinaus geworfen wurde“, so Dalademokraten.

Die unabhängige, konservative Stockholmer Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ hat von Beginn an dem Projekt sehr kritisch gegenübergestanden. So fordert der Leitartikler auch heute, dass nicht nur die Bewohner der Innenstadt, sondern auch die Bürger aus den Vororten bei der Volksabstimmung im September mit über die Zukunft der Citymaut befinden dürfen. In den Vororten ist der Widerstand erwartungsgemäss am grössten. So schreibt „Svenska Dagbladet“:

”Politische Manipulation”

„Die Volksabstimmung muss abgehalten werden, auch wenn die Sozialdemokraten noch versuchen, beim Text, über den abgestimmt werden soll, herumzutricksen. Von Beginn an war die Citymaut eng mit der politischen Manipulation verknüpft“; schreibt Svenska Dagbladet und erinnert daran, dass der Versuch von der Landesregierung der Stadt aufgezwungen wurde.”

Gleichzeitig schreiben sechs Vertreter von Handel und Wirtschaft im gleichen Blatt einen Artikel, in dem davor gewarnt wird, dass die Maut das Wachstum verhindere. So argumentieren die Verfasser:

„Stockholm hat bereits gegenüber seinen Konkurrenten Nachteile. Es ist länger als etwa nach Berlin oder Amsterdam. Die Steuern sind bereits vor dem Citymaut-Versuch höher hier als in den meisten anderen Ländern. Und im Gegensatz zu anderen Städten besteht hier nicht die Möglichkeit, um die Innenstadt herumzufahren. Während wir gerade die Citymaut einführen, baut Helsinki seine dritte Umgehung.“

Keine andere Lösung

Für das unabhängige, sozialdemokratische Boulevardblatt „Aftonbladet“ gibt es jedoch keine andere Lösung. Aftonbladet erinnert daran, dass sonst bürgerliche Politiker sich gerne Europa und am liebsten Grossbritannien zum Beispiel nehmen, den gelungenen Versuch in London jedoch ignorieren.

„Die Citymaut ist notwendig umd die Verkehrsprobleme zu lösen. Sie trägt zur Verringerung von Krebs bei, der Verkehr fliesst besser und der öffentliche Nahverkehr bekommt mehr Mittel. Der Verkauf von umweltfreundlichen Autos hat bereits zugenommen. Die Gegner sollten erzählen, wie sie gleiche Resultate erzielen ohne die Citymaut“, schreibt „Aftonbladet“.

Die unabhängige liberale Göteborgs-Posten stellt dagegen nahezu erleichtert fest, dass die Citymaut für Göteborg nicht geeignet ist:

„Mal davon abgesehen, dass eine Maut ein schlechtes Mittel ist, um Verkehr einzuschränken, gibt es für Göteborg andere Gründe sich zu wehren. Unter anderem würden hier zuviele Einfahrtsstationen benötigt werden, damit das System funktioniern könnte. Vor allem aber wollen die Göteborger keine Citymaut“, stellt Göteborgs-Posten fest und verweist auf eine Leserumfrage, bei der drei Viertel meinen, dass der Stadtverkehr keinen Begrenzungen unterliegen soll.

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".