Neues Vogelgrippevirus entdeckt

Während in der Türkei immer mehr Menschen an der Vogelgrippe erkranken, sorgt eine schwedisch-vietnamesische Studie für weitere Aufregung. Die Forscher fanden heraus, dass es noch eine weitere Form des H5N1-Virus geben muss. Dadurch könnte die Ansteckung von Mensch zu Mensch bald nicht mehr aufzuhalten sein.

Das Ergebnis der schwedisch-vietnamesischen Untersuchungen ist zwar noch nicht endgültig wissenschaftlich abgesichert, doch die Leiterin Anna Thorson spricht schon jetzt von einem Durchbruch:

„Unsere Studie zielt darauf ab, dass es einen weiteren, weniger gefährlichen Typ der Vogelgrippe gibt. Dieser überträgt sich schneller vom Tier auf den Menschen und löst dabei eine leichte Infektion aus.“

Unbemerkt infiziert

Dem vorläufigen Studienergebnis liegen die Daten von insgesamt 45.000 Blutproben zugrunde. Ein Wissenschaftler-Team vom Stockholmer Karolinischen Institut hatte sie nach der ersten Vogelgrippe-Welle in Vietnam mit mindestens 43 Toten durchführen lassen. Vom Resultat waren die schwedischen Forscher selbst erstaunt: Rund 700 scheinbar gesunde Personen waren ebenfalls mit dem berüchtigten H5N1-Virus infiziert.

Doch dabei handelte es sich um eine weitaus weniger gefährliche Variante der Vogelgrippe als die bislang bekannte. Anders ausgedrückt, Vogelgrippe muss nicht zwingend lebensgefährlich sein. Infizierte müssen ihre Erkrankung nicht einmal zwingend bemerken. Doch die Wissenschaftlerin Anna Thorson warnt vor den Konsequenzen dieser Entdeckung:

„Sollte es wirklich mehr Menschen geben, die mit Vogelgrippe infiziert sind, dann wächst damit ein anderes Risiko. Wahrscheinlich gibt es dann auch Menschen, die Viren sowohl einer gewöhnlichen Grippe als auch einer Vogelgrippe tragen. In diesen Fällen können sich die Viren verbinden und mutieren. Die Übertragung von Mensch zu Mensch wäre dann nicht mehr aufzuhalten.“

Mahnung zur Sorgfalt 

Bisher galt die Ansteckung von Mensch zu Mensch als nahezu ausgeschlossen. Durch das scheinbar harmlosere Virus könnte die Gefahr einer Pandemie, also einer Massenerkrankung, jedoch erheblich steigen. Vor dem Hintergrund dieser Entdeckung müsse man nun auch viel sorgfältiger mit den aktuellen Vogelgrippefällen in der Türkei umgehen, fordert etwa Johan Giseke vom Europäischen Seuchenschutzinstitut in der Nähe von Stockholm:

„Umfassende Bluttests in den betroffenen Gebieten erscheinen mir absolut notwendig.“

Sollte die schwedisch-vietnamesische Studie auch noch nicht restlos belegt sein, so zeigt sie doch schon jetzt eines: Der Kampf gegen die Vogelgrippe hat gerade erst begonnen.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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