Er bekommt nun weibliche Konkurrenz

Erster weiblicher Unfall-Dummy

Das Gleichstellungsland Schweden macht seinem Namen mal wieder alle Ehre. Im Kampf um die Gleichberechtigung von Mann und Frau präsentierte nun das Forschungsinstitut für Transport stolz seine neueste Errungenschaft: den weltweit ersten weiblichen Unfall-Dummy. Doch mit dem Prototyp verfolgt das Institut weniger einen sozialpolitischen als vielmehr einen medizinischen Zweck.

Rein äusserlich ist der weibliche Unfall-Dummy von seinen männlichen Kollegen kaum zu unterscheiden. Mit unbeteiligtem Gesichtsausdruck sitzt die Testpuppe hinterm Steuer und rast ungebremst auf Betonwände zu. Astrid Linder, Projektleiterin am Forschungsinstitut für Transport, hat den ersten weiblichen Dummy massgeblich mitgestaltet:

„Vor allem bei Frauen ist die Gefahr eines Schleudertraumas doppelt so hoch wie bei einem Mann - vor allem, wenn es sich um einen Auffahrunfall handelt. Das deutet also darauf hin, dass der weibliche Körper anders beschaffen ist als der männliche. Dies muss sich auch in den Unfall-Dummies widerspiegeln. Da sind wir weltweit die ersten.”

Frauen bislang sträflich vernachlässigt

Es sind vor allem andere Masseverteilungen, die den neuen Dummy-Typ kennzeichnen. Vorbild war der durchschnittliche weibliche Körper, dessen Organe, Gelenke und Bewegungsabläufe sich zum Teil erheblich vom männlichen unterscheiden. Bislang galt unter Wissenschaftlern und Ingenieuren bei Unfalltests ausschliesslich der Mann als das Mass aller Dinge. Die Tatsache, dass Frauen bei Autounfällen anderen Verletzungsrisiken ausgesetzt sind als die exakt vermessenen Männer, ist bislang fahrlässig ignoriert worden. Und das, obwohl Frau am Steuer seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit ist - zumindest in Schweden. Dazu Projektleiterin Astrid Linder:

„Nun können wir die Schutzvorkehrungen für beide Geschlechter optimieren. Bislang ist man eben immer nur vom männlichen Modell ausgegangen, was historisch begründet ist. Früher gab es zum Beispiel nur männliche Piloten, für die man spezielle Schleudersitze anfertigen musste. Heute aber ist die Situation eine andere. Und dadurch dass Frauen heute natürlich genauso viel Autofahren wie Männer, sind unsere Unfall-Dummies nur eine logischer Schritt.”

Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich der weibliche Dummy gegen seine männlichen Konkurrenten auch durchsetzen kann. In puncto Belastbarkeit jedenfalls muss sich die Testfrau vor ihren Kollegen nicht verstecken.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".