"Neutralität beständig wie eine Seifenblase"

Schweden war Ziel eines strategischen Erstschlags der Sowjetuion. Dies geht aus einem neuen Buch des schwedischen Militärexperten Emil Svensson über die U-Boot-Affären der achtziger Jahre hervor. Die sowjetische Marine habe Schweden als Teil des westlichen Bündnissystems bertrachtet und gezielt spioniert, so Svensson.

Während des Kalten Krieges waren die Aufgaben der schwedischen Streitkräfte klar umrissen. Es ging darum, den Feind von den eigenen Grenzen fernzuhalten - egal aus welcher Richtung er kommt. Das war zumindest die offizielle Version, denn Schweden war ja neutral. Das dies jedoch nicht ganz der Wirklichkeit entsprach, ist nichts Neues. Bereits in den neunziger Jahren gab es Berichte, dass die schwedische Armee eng mit der Nato kooperierte. Diese Tatsache erscheint jedoch in diesen Tagen in einem neuen Licht.

Dazu trägt das Buch mit dem Titel „Under den fredfulla Ytan“ bei– zu deutsch unter der friedlichen Oberfläche - bei. Geschrieben von einem der erfahrensten U-Boot-Jäger in Schweden Emil Svensson. Er war in den neunziger Jahren bei den schwedisch-russichen U-Boots-Gesprächen dabei. Dort ging es um die Verletzungen schwedischer Hoheitsgewässer eben durch russische und sowjetische U-Boote. Jetzt hatte Svensson zum ersten Mal Gelegenheit, mit russischen Militärs über die Zeit des Kalten Krieges zu reden. Die sowjetischen Offiziere betrachteten die schwedische Neutralität als „beständig wie eine Seifenblase.“ Im Krisenfall würde Schweden sofort ins westliche Lager überlaufen. Deswegen war es für die sojwetischen Streitkräfte unabdingbar, schwedische Flottenbewegungen auszukundschaften.

Nuklearer Erstschlag

Auch ein gegen Schweden gerichteter nuklearer Erstschlag soll Bestandteil im Szenario der sowjetischen Armee gewesen sein. Ein ehemaliger sowjetischer U-Boot-Kommandant hat Svensson auch bestätigt, dass sowjetische U-Boote in schwedischen Gewässern operierten und dabei auch Agenten in Schweden aussetzten und wieder abholten. Bis heute weigert sich die Regierung in Moskau, dies offiziell zuzugeben.

Emil Svenson hatte 1981 die sowjetischen Matrosen befragt, die mit ihrem U 137 an der südschwedischen Küste gestandet waren. Damals noch ohne Erfolg. Das neue Buch bietet jetzt mehr Hintergründe. Svensson stellt ohne Groll fest, dass die Sowjetunion damals eigentlich aus völlig logischen Beweggründen gehandelt habe. Schweden habe dagegen die Verletzungen des Hoheitsgebietes nicht ernst genug genommen.

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