Kluft bei Gehältern wächst

Noch immer gilt Schweden als ein Land, in dem der Unterschied zwischen Arm und Reich nicht ganz so krass hervortritt wie anderswo. Doch in den vergangenen Jahren ist diese Kluft merkbar gewachsen. Freuen können sich jedenfalls die Top-Manager: laut einer aktuellen Untersuchung haben ihre ohnehin schon recht üppigen Gehälter in den letzten zwei Jahren um weitere stattliche 33 Prozent zugelegt.   

Der Schwedische Arbeiter-Gewerkschaftsbund LO hat sich in seiner Untersuchung die Gehaltsentwicklung in den 100 grössten privaten und öffentlichen Unternehmen des Landes vorgenommen. Das Ergebnis: zwischen 2002 und 2004 verbuchten die Führungskräfte einen durchschnittlichen Lohnzuwachs von umgerechnet 300.000 Euro. Ein Jahresgehalt lag 2004 bei 600.000 Euro, das entsprach dem Lohn für 26 Industriearbeiter. Noch 2002 hätte es nur für 22 Industriearbeiter-Löhne gereicht.

Jan Persson, Chef-Jurist der Unternehmerorganisation Svenskt Näringsliv, findet diese Entwicklung kaum bemerkenswert. Schwedens Firmen, so sein Argument, passten sich ganz einfach in wachsendem Masse an allgemein gängige Verhältnisse an.“Unsere grossen Unternehmen werden immer internationaler, in vielen Fällen entwickeln sie sich sogar zu Global Playern. Da ist es ganz natürlich, dass man sich im Hinblick auf Gehaltsstrukturen dem internationalen Niveau annähert“, sagt Jan Persson.

Die Gewerkschafts-Vorsitzende Vanja Lundby-Wedin mag sich mit dieser Begründung allerdings nicht abfinden. „Das ist schon ein wenig mystisch“, meint sie. „Wenn die Arbeitgeber ihre Bedingungen mit denen im Ausland vergleichen, dann müssen höhere Gehälter her. Den Arbeitnehmern hingegen wird bei einem solchen Vergleich immer bedeutet, dass ihre Löhne viel zu hoch sind. Das ist ganz und gar unakzeptabel.“

Das oft vorgebrachte Argument, wonach sich die Arbeitgeber sehr wohl am „besser bezahlten“ Ausland orientieren könnten, die Arbeitnehmer jedoch auf „Billigländer“ schauen müssten, dieses Argument weist Lundby-Wedin zurück:

„Wir haben eine Menge Vorteile in Schweden – wir sind ein Land, das versucht, die Gleichstellung zu fördern, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern. Wir haben gut ausgebildete Arbeitskräfte, die zu höherer Konkurrenzkraft beitragen können. Wir müssen uns nicht solchen Vergleichen mit der Umwelt stellen“, hofft die Gewerkschafts-Vorsitzende.

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