Vorschlag: Militär soll Aufgaben auslagern

Schwedens Militär steht wie viele andere Armeen in Europa vor einem Dilemma. Während sich das Land an immer mehr friedenssichernden Massnahmen weltweit beteiligen möchte, kann es sich den Unterhalt seiner eigenen Soldaten kaum noch leisten. Pünktlich zur Militärkonferenz „Volk und Verteidigung“ bringt Oberbefehlshaber Håkan Syrén nun einen kontroversen Vorschlag ins Spiel: Die eigene Armee soll sich die Aufgaben mit anderen Ländern teilen.

Es ist die Konferenz der Gegensätze. Erst fordert ein führender Sozialdemokrat, das Militär künftig auch zur Terrorabwehr im Inland einzusetzen. Jetzt denkt der Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen über die Auslagerung ganzer Aufgabenbereiche ins Ausland nach. Durch militärische Joint-Ventures könne sich jede Armee auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, argumentiert Håkan Syrén:

„Auf mehreren Gebieten könnten wir die Kooperation ausweiten. Bei Minenräumarbeitern oder bei der Überwachung des Luftraums und des Bodens. Eine ausgebaute Zusammenarbeit könnte gleichzeitig dazu führen, dass sich einzelne Ländern auf bestimmte Arbeiten spezialisieren.“

Gewagtes Gedankenspiel 

Für einen ranghohen Militär ist das ein äusserst gewagtes Gedankenspiel. Schliesslich gilt auch in den Armeekreisen des bündnisfreien Schweden die oberste Devise: Im Ernstfall müssen wir uns selbst verteidigen können. Aber Syrén kontert mit dem neuen Modebegriff „Interoperabilität“ – will sagen, die Zusammenarbeit mit Armeen anderer Nationen ist längst zu einer notwendigen Alltäglichkeit geworden. Mehr noch, angesichts des massiven Sparzwangs sei eine erweiterte militärische Kooperation alternativlos, meint Syrén:

„Ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass die Zahl unserer Verbände und Einheiten nur begrenzt sein kann. Schliesslich müssen die Soldaten auch noch angemessen ausgebildet werden. Wenn uns die Möglichkeiten dazu fehlen, um unsere Vorstellungen zu verwirklichen, müssen wir nach Alternativen suchen.“

Widerspruch blieb aus 

Um also künftig den Spagat zwischen weniger Personal und höherer Einsatzfähigkeit zu meistern, müssten vor allem die kleineren Länder Europas neue militärische Wege gehen, fordert Oberbefehlshaber Syrén. Auch wenn sein jetziger Vorschlag für Wirbel sorgt, abgelehnt hat ihn bislang niemand.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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