Hat den Schaden: der Dorsch in der Barentssee

Illegal gefangener Dorsch in schwedischen Geschäften

Erst kürzlich stimmten die EU-Mitgliedsstaaten für eine Erhöhung der Dorschfangquote in der Ostsee. Gegen den Vorschlag war einzig Schweden. Doch so sehr sich Schweden um den Dorsch in der Ostsee sorgt – was mit dem Dorsch in der Barentssee passiert, scheint bisher niemanden richtig gekümmert zu haben. Wie jetzt der Privatsender TV 4 aufdeckte, wird ein nicht unerheblicher Teil des in Schweden verkauften Dorsches illegal gefangen. Auch schwedische Unternehmen sind in den Skandal in der Barentssee verwickelt.

100.000 Tonnen illegal gefischter Dorsch. Mit dieser gewaltigen Menge konfrontierte das Politmagazin von TV 4 jetzt die Öffentlichkeit. 100.000 Tonnen machen ein Viertel der gesamten Dorschfangquote in der Barentssee nördlich von Norwegen und Russland aus.

Inger Larsson vom schwedischen Tiefkühlkosthersteller Findus ist alarmiert von den Zahlen: „Wir tun alles, um Licht in die Angelegenheit zu bringen. Jegliche Form des Schwarzfischens ist inakzeptabel. Ende der Diskussion.“

Über China zurück nach Skandinavien

Dass illegaler Dorschfang in den nördlichen Gewässern vorkommt ist bekannt, nur von dem immensen Umfang hatten die wenigsten bisher ein Bild. Das investigative Fernsehprogramm deckte auch auf, wie der illegale Fisch in die schwedischen Lebensmittelregale kommt: Noch auf hoher See wird der Dorsch auf Gefrierschiffe verfrachtet, von dort geht es um den halben Globus nach China, wo billige Arbeitskraft den Fisch filettiert.

Anschliessend landen die fertig zubereiteten Fische wieder im Norden Europas. Die grossen Firmen wie Findus und Abba Seafood tüten den Dorsch nur noch in die richtigen Verpackungen ein.

Joachim Dyfvermark, Reporter bei TV 4 kritisiert die Branche: „Hier hat man eine bewusste Wahl getroffen. Man weiss doch, dass in der Barentssee schwarz gefischt wird. Weder für die internationale noch die schwedische Fischereibranche ist das eine Neuigkeit. Und trotzdem kauft man Dorsch, der bis nach China verfrachtet wurde und zurück, bei dem es also vollkommen unmöglich ist nachzuvollziehen, woher er genau kommt.“

Umweltschützer fordern Konsequenzen

Greenpeace stellt Forderungen an Tiefkühlkosthersteller Findus. Die Umweltorganisation demonstrierte vor den Toren des Unternehmens in Bjuv in Skåne.

„Sämtliche Kontakte mit solchen Grossisten, die keinen legalen Fang garantieren können, müssen aufhören“, erklärt Ida Kjellin von Greenpeace Schweden. „Dann geht es um die Garantie gegenüber den Kunden. Wenn die etwas aus dem Kühlregal von Findus kaufen, sollen sie sicher sein können, dass es sich um legal gefangenen Fisch handelt.“

Der Vorsitzende des Fischereibranchenverbandes, Yngve Björkman, weist die Vorwürfe gegen die Lebensmittelhersteller weit von sich. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben. Aber immerhin landeten nur zwei Prozent des illegal gefangenen Dorsches überhaupt in Schweden.

Im Gegensatz zu Reportern habe man jedoch nicht die Möglichkeit, das Treiben auf den Fischdampfern zu kontrollieren: „Wir handeln mit keinem Fisch, der nicht korrekt gekennzeichnet ist. Aber wir können nicht kontrollieren, welche Kennzeichnung der Fisch bekommen hat als er aus dem Wasser gezogen wurde. Es gibt internationale Gesetze, die sicherstellen sollen, dass alles mit rechten Dingen zuging. Das ist aber eine Sache der Behörden.“

Auf der Suche nach Verantwortlichen

Die zuständige Ministerin Ann-Christin Nykvist hingegen sieht das ganz anders. Besonders wenn Länder ausserhalb der EU am Fischfang beteiligt seien, könne die Hauptverantwortung nicht bei den schwedischen Behörden liegen: „Die Verantwortung liegt vielmehr bei den Unternehmen, die mit diesem schwarz gefangenen Fisch Handel betreiben und ihn anschliessend auf den schwedischen Markt und damit an die Konsumenten bringen.“

So scheint niemand die Verantwortung für den illegalen Dorschfang übernehmen zu wollen. Den Schaden, den hat der Dorsch.

Liv Heidbüchel

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