Spazierengehen mit den Alten kommt oft zu kurz. Hier sollen „Plusjobs" helfen.

„Plusjobs": Neue Arbeitsbeschaffungsmassnahme startet

„Mehr Menschen in Arbeit bringen“, ein Ziel, das sich auch die schwedische Regierung auf die Fahnen geschrieben hat. Mit einer neuen Arbeitsbeschaffungsmassnahme sollen 20.000 Langzeitarbeitslose im öffentlichen Sektor beschäftigt werden. Kostenpunkt allein im ersten Jahr: 360 Millionen Euro. In den Kommunen herrscht derweil Unklarheit darüber, welche Arbeitsaufgaben die Jobsuchenden überhaupt übernehmen dürfen.  

„Plusjob“. Das ist eins der Modewörter des vergangenen Jahres. 20.000 dieser Plusjobs sollen nun im öffentlichen Sektor für die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen sorgen. Als „qualitätssteigernde Massnahme“ helfen die Plusjobs etwa in der Altenpflege dort, wo Zeit und Atem der Festangestellten nicht reichen: Spazieren gehen, vorlesen, Gardinen aufhängen. Inger Backen ist Krankenschwester in der südschwedischen Kleinstadt Bjuv, sie freut sich auf die neuen Kollegen:

„Ich hoffe, dass wir Pfleger in den einzelnen Abteilungen entlastet werden und dadurch bessere Arbeit machen.“

Aufgabenbereich undefiniert

Das nahezu allerorten überlastete Pflegepersonal ist dankbar über jede helfende Hand. Ob diese Hände allerdings wirklich nur dort anpacken, wo Arbeit bisher liegen geblieben ist, variiert von Kommune zu Kommune. Eine Umfrage des Schwedischen Rundfunks ergab, dass fast die Hälfte der Gemeinden bei der Verteilung der Arbeitsaufgaben keinen Unterschied macht zwischen Mitarbeitern, die befristete Plusjobs haben, und anderen Angestellten. Kenneth Emmanuelsson, Personalchef in der Kommune Bjuv in Skåne:

„Wenn einer der Festangestellten seine Aufgaben einmal nicht schafft, kann durchaus ein Plusjobber die schwere Arbeit übernehmen und dem Festangestellten die leichtere Arbeit überlassen. Wir sind uns mit der Gewerkschaft einig, dass keine Arbeit tabu ist, nur weil man Plusjobber ist.“

Dabei haben die Gewerkschaften durchaus ihre Bedenken. Sicher sei es begrüssenswert, dass überhaupt Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch nach den drastischen Kürzungen der vergangenen Jahre ist auch klar, dass die Kommunen nun nicht plötzlich auf die subventionierten Arbeitskräfte zurückgreifen dürfen. Dabei ist das Angebot verlockend: Die Arbeitsmarktbehörde subventioniert sämtliche Plusjobs zu einhundert Prozent.

Probleme nur aufgeschoben

Im kommenden Jahr sind sogar 500 Millionen Euro im Haushalt für die Plusjobs vorgemerkt. 2008 allerdings nur noch die Hälfte. Wie geht es weiter, wenn die Subventionen ganz aufhören? Kenneth Emmanuelsson, Personalchef in der Kommune Bjuv, wittert Probleme: 

„Nehmen wir die Altenpflege. Man verbessert die Qualität, aber nach zwei Jahren fehlt das Geld und man kann die Leute nicht behalten: Das führt zu negativen Reaktionen bei den Angestellten, aber auch bei den Patienten und ihren Angehörigen. Dessen muss man sich bewusst sein. Aber die Plusjobs sind trotzdem gut, weil sie richtige Jobs sind.“ 

Im September sind Parlamentswahlen und schon jetzt steht das alles bestimmende Wahlkampfthema fest: Arbeit. Die regierenden Sozialdemokraten müssen sich auch daran messen lassen, wie sinnvoll die Schaffung der Plusjobs war.

Liv Heidbüchel 

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