Säpo-Vorschlag: Junge Radikale in Schulen abfangen

Die Terroranschläge in London und Madrid haben vor allem eins gezeigt: Die Attentäter waren bis dato unauffällige muslimische Einwanderer der zweiten Generation – und damit durch das Raster der Geheimpolizei gefallen. Aus dieser Erkenntnis hat nun auch die schwedische Geheimpolizei Säpo Lehren gezogen. Sie will wie ihre britischen und spanischen Kollegen beispielsweise Schulen und Sozialdienste besser überwachen. Ein Vorschlag, der für harsche Kritik sorgt. 

Junge, leicht beeinflussbare Menschen gelte es beizeiten vom Weg in den Extremismus abzubringen. Davon ist die schwedische Geheimpolizei Säpo überzeugt. Und wo findet man diese Menschen, wenn nicht in den Schulen?

Zusammenarbeit mit Lehrkräften erwünscht

Nun geht es der Säpo allerdings nicht darum, eigene Mitarbeiter auf der Schulbank zu platzieren. Stattdessen sollen Lokalpolizei und andere Behörden ein Auge auf gefährdete Jugendliche haben, erklärt Säpo-Chef Klas Bergenstrand. Allerdings setzt dies gute Zusammenarbeit mit den Lehrern voraus:

„Wenn jemand weiss, dass eine Person möglicherweise ein Verbrechen plant, wollen wir darüber Bescheid wissen. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Dass wir solche Informationen erhalten, gehört zu unserer Arbeit dazu.“

Erst radikal, am Ende Terrorist

Laut Klas Bergenstrand durchläuft ein junger Moslim einen ideologischen Prozess im Namen des Islam – bevor er die Bereitschaft zum Terroranschlag entwickelt: Vom anfangs Radikalen werde er zum Fundamentalisten, dann folge die Stufe des Extremismus und schliesslich ende die Entwicklung im Terrorismus. Diesen Prozess zu stoppen, ist das Ziel der Geheimpolizei, betont Bergenstrand.

Dass nun lokale Kontakte ausgebaut und Lehrer regelrecht zum Anzeigeerstatten aufgefordert werden, geht Kritikern allerdings zu weit. Die Linkspartei spricht von Gesetzesbruch, die Grünen wittern eine regelrechte Hexenjagd. Auch die Beamtengewerkschaften weisen die Idee weit von sich, dass Lehrkräfte als Informanten arbeiten sollen.

Die Verantwortung tragen alle

Säpo-Chef Bergenstrand dagegen hält die Vorwürfe für unbegründet:

„Es dreht sich nicht um die Frage, ob wir in einer Gesellschaft von Denunzianten leben. Es geht vielmehr darum, dass alle die Verantwortung für ein Ende dieser Entwicklung tragen. In erster Linie dreht es sich ja nicht um gesetzestreue Bürger, sondern darum, mit veränderten Mitteln Menschen aus der Risikozone zu holen. Sie sollen einen anderen Weg als Radikalisierung und Extremismus wählen können.“

Also gilt: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Klas Bergenstrands Pläne lassen diesen Schluss zu. Wie jedoch genau einem jungen Moslem die radikalen Ideen ausgetrieben werden sollen und aus dem Aussenseiter ein zufriedenes Mitglied der schwedischen Gesellschaft wird – darüber verrät der Säpo-Chef nichts.

Liv Heidbüchel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".