Schwedischkurs - künstlerisch verarbeitet

”Svenska för invandrare” - so heißen die Sprachkurse, die Einwanderer in Schweden besuchen. Eigentlich besucht man sie, das sagt ja schon das Wort, um Schwedisch zu lernen. Die Berliner Künstlerin Katrin von Maltzahn allerdings hat den Kurs nicht nur dazu besucht. Sie wollte aus den niedergeschriebenen Erlebnissen, Hausaufgaben und Übungen des Kurses ein Kunstwerk machen. Entstanden sind 38 Bilder, die zu einer Ausstellung wurden.

”Ich war für drei Monate in Göteborg als Künstlerin und hatte ein Stipendium bei Iaspis, einem Künstleratelier, und meine Idee war es, die schwedische Sprache zu lernen. Da habe ich einen Sprachkurs besucht - ’Svenska för invandare’ (Schwedisch für Einwanderer) - und habe da nichts anderes gemacht als mich im Schnellverfahren drei Monate lang mit der schwedischen Sprache zu beschäftigen.”

Eine ganz normale Schülerin

Eigentlich war Katrin von Maltzahn eine ganz normale Schülerin. Sie hat Vokabeln gepaukt, Grammatik gelernt und Hausaufgaben gemacht. Doch daraus entwickelte sich bald mehr, erzählt die angehende Künstlerin:

”Und dann haben wir angefangen, in der Schule kleine Texte zu schreiben. Ich habe die ganz normale Praxis, die man beim Spracherwerb benutzt, mit in meine Arbeit übernommen und habe ziemlich schnell kleine Geschichten geschrieben. Die waren der erste Teil meiner künstlerischen Praxis.”

Ein herkömmliches Sprachlehrbuch

In Göteborg wurde aber nur Material gesammelt - an die Ausarbeitung machte sich die heute 41-jährige Katrin von Maltzahn dann 2003 zuhause in Berlin. Herausgekommen ist ein ganzes Buch. Darin zu betrachten sind kurze schwedische handschriftlich verfasste Texte, daneben kleine Zeichnungen - vom Aufbau her ganz ähnlich wie in einem herkömmlichen Sprachlehrbuch. Katrin von Maltzahn erklärt das Konzept folgendermassen:

”Es gibt jeweils eine Text-Seite und eine Bild-Seite. Die Texte sind sozusagen Schulaufsätze, die von Kapitel zu Kapitel komplexer werden, je mehr ich die Sprache beherrschte, und da natürlich viele Fehler vorhanden waren, wurden die Aufsätze von meinem Sprachlehrer korrigiert. Meine Texte sind zum einen natürlich Inhalt, aber eben auch so etwas wie eine Zeichnung. Und die Bildseiten sind meistens richtig gestaltete Bilder oder Collagen mit Material, das ich gesammelt habe.”

Collage mit zwei Seiten

Auf den Textseiten werden richtige Geschichten erzählt. So werden die Mitschüler vorgestellt, es wird beschrieben, was am schwedischen Türschloss anders ist als am deutschen, oder warum die Schweden so viele Godis (Süßigkeiten) essen. Die Bildseite ziert manchmal eine Collage aus schwedischen Wörtern, die Katrin von Mahlzahn aus der Zeitung ausgeschnitten hat. Auf der einen Seite finden sich zum Beispiel schwedische Ausdrücke, die der Künstlerin gefallen, auf der anderen Seite wiederum solche, die - aus welchem Grund auch immer - ihr Missfallen erregten.

”Ein Wort, was ich überhaupt nicht leiden kann, ist ’Hustru’ (Ehefrau), aber ich kriege da seltsame Assoziationen aus deutscher Perspektive. Mittlerweile weiß ich, dass es ein Wort ist, das in Schweden ganz normal benutzt wird, aber ich werde diesen negativen Beigeschmack nicht los, deshalb würde ich es immer noch in die Liste meiner Hass-Wörter einordnen.”

Ist das schon Kunst?

Im Rahmen der Ausstellung werden die Bilder und Texte aus dem Buch vergrößert auf 70cm x 100cm gezeigt. Ob das bereits Kunst ist, darüber lässt sich sicherlich streiten. Aber man erfährt beim Betrachten der Bilder doch Einiges über Schweden - oder besser: darüber, wie Einwanderer das Land erleben. Die Bilder wurden bereits in Göteborg und in der schwedischen Botschaft in Berlin präsentiert. Deshalb kennt die Künstlerin schon einzelne Reaktionen der Ausstellungsbesucher:

”Egal was für Leute sich das anschauen, jeder hat irgendwie einen Kommentar zu geben und einen Kommentar zu geben. Jeder kann irgendwo andocken. So was macht mir eigentlich besonders Spaß, wenn es nicht nur so was Elitäres hat, sonder etwas womit eigentlich Leute aus verschiedenen Erfahrungshorizonten etwas mit anfangen können.”

Übrigens, die Ausstellung heißt, wie könnte es anders sein, ’Svenska för invandrare’ (Schwedisch für Einwanderer).

Stefanie Schmid

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