Dänische Mohammed-Karikaturen führen zu Drohung für Skandinavier

Es begann zimelich harmlos mit Karrikaturen in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten. Doch der Spass wird jetzt zum tödlichen Ernst. Moslemische Terrorguppen drohen jetzt den Bürgern der nordischen Länder. Das Aussenministerium rät von Reisen ins Westjordanland sowie ins Gaza-Gebiet ab. 

Es begann alles ganz harmlos. Die dänische Zeitung Jyllands-Posten rief Zeichner auf, Bilder von dem moslemischen Propheten Mohammed zu zeichnen. Veröffentlicht wurden zwölf sehr unterschiedliche Karikaturen wie etwa Mhammed mit einem gezückten Dolch zwischen zwei verschleierten Frauen oder der Prophet mit einer Bombe im Turban. Denn der Islam verbietet jejegliche Bildnisse vom Propheten. Die Karikaturen führten zu lautstarken Protesten zahlreicher moslemischer Organisationen in und ausserhalb Dänemarks.

Jetzt hat der Konflikt jedoch eine neue Dimension erreicht. Denn die Brigaden der Al-Aksah haben im Gazastreifen am Wochenende Flugblätter verteilt, auf denen die Bürger sämtlicher nordischer Länder aufgefordert werden, binnen 72 Stunden Gaza und das Westjordanland zu verlassen. Claes Jarnaeus vom Stockholmer Aussenministerium bestätigte unterdessen eine Reisewarnung: „Seit einiger Zeit raten wir von Reisen nach Gaza und Westjordan ab, wenn es nicht absolut notwendig ist. Wir analysieren zur Zeit den Sachverhalt sowohl in Stockholm als auch in Jerusalem, was das für Angaben sind und wer dahinter steckt“, erklärt Jarnaeus.

Der Experte für Terrorismus, Magnus Norell glaubt jedoch, dass die Karikaturen nicht die eigentliche Ursache für die Drohungen sind: „Ich glaube, einige Gruppen haben die Möglichkeit ergriffen, ihre ganz normale Kriminalität zu legitimieren. Zum Beispiel um Menschen zu entführen und Lösegeld zu fordern. Das kann man jetzt tun und dabei sagen, man verteidige den Islam.“

Warenboykott in Saudi-Arabien

Die Proteste gegenüber Dänemark waren bereits im Vorjahr massiv. So schloss beispielsweise Libyen seine Botschaft in Kopenhagen. Mehrere tausend Moslems hatten im Herbst in der dänischen Hauptstadt demonstriert. Jetzt trifft es den gesamten Norden. So wurde in Saudi-Arabien zu einem Handelsboykott gegenüber dem dänisch-schwedischen Molkereikonzern Arla aufgerufen. Zwei saudische Angestellte von Arla wurden angegriffen. Der Boykott hat sich mittlerweile auf Kuwait, Qatar, Bahrain und Vereinigten Arabischen Emirate ausgedehnt.

Warum jetzt auch Schweden und Norweger in die Drohungen mit einbezogen werden ist unklar. In Norwegen wurden die Karikaturen ebenfalls veröffentlicht. In Schweden hat sich die Öffentlichkeit bisher aus der Debatte weitgehend zurückgehalten.

Dieter Weiand

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