Voll im Spieltrend: Poker

In Schweden ist die Pokermanie ausgebrochen. Schon 250.000 Schweden hat der Internetpoker erwischt, vor einem Jahr waren es gerade einmal ein Zehntel. Die Zahl der Anhänger steigt stetig. Täglich setzt die schwedische Spielsucht bis zu eineinhalb Millionen Euro um. Was hat es mit der schwedischen Pokerrevolution auf sich? 

Der einarmige Bandit ist nunmehr fast ein Relikt aus längst vergangener Zeit - zumindest in Schweden. Stattdessen liegt Las Vegas heute in den eigenen vier Wänden. Eine Viertelmillion Schweden ist inzwischen fasziniert vom Pokerspiel im Internet. Alles was man braucht sind Internetzugang und Kreditkarte, und schon öffnen sich dem Zocker tausende von Pokerseiten, auf denen sich der Traum vom schnellen Geld erfüllen kann.

Poker befriedigt „ernsthaftes Bedürfnis”

Schon vor zehn Jahren schrieb Dan Glimne ein „Pokerhandbuch“, ein Buch, das mittlerweile zu den meistverkauften und geschätzten Pokerleitfäden gehört. Ohne Nachfrage und ein ernsthaftes Bedürfnis nach Poker gäbe es auch keinen Trend, meint Dan Glimne. Aber dass es für Poker so bergauf geht, hat weitere Ursachen, so der Pokerfachmann:

„Geld hat die Menschen schon immer angezogen, selbst symbolisch. „Monopoly“ wäre sonst nie ein Erfolg geworden. Mit Geld messen viele, wie glücklich ihr Leben ist. Beim Poker bekommst du eine direkte Antwort auf die Frage: Hab ich es richtig oder falsch gemacht. Habe ich mehr Geld als vorher oder nicht.“

Schon jetzt schreiben die schwedischen Boulevardzeitungen Erfolgsstorys von jungen Pokerstars. Ein 22jähriger aus Linköping etwa heimste vom Computer zu Hause rund eine Million Euro ein, nun macht er sich in einem Luxushotel in Miami, Florida, ein feines Leben. Man muss nur früh anfangen und mit der richtigen Leidenschaft dabei sein, lauten die gängigen Tipps der Pokermillionäre.

Thema Sucht ausgespart

Was bei diesen Aschenputtelmärchen gern verschwiegen wird, ist die Spielsucht. Kalle Åslund nimmt bei der Vereinigung für Spielsüchtige täglich etliche verzweifelte Anrufe von Angehörigen entgegen:

„Was ist meinem Mann, was ist meinen Kindern zugestossen, fragen die Anrufer. Was ist los mit denen, warum lügen sie mich an? Die sitzen schon so tief drin und haben riesige Summen verspielt: Das sind süchtige Problemspieler.“

Von dieser Sucht loszukommen, ist eine schwierige Aufgabe, meint Kalle Åslund. An den gesunden Menschenverstand lässt sich nicht mehr appellieren. Da hilft nur noch eine Therapie.

Die Probleme fangen schon zeitig an. Sogar in schwedischen Schulen ist die hiesige Pokerhysterie ein Thema. Viele Schüler zocken um Geld, Schätzungen gehen von bis zu 90.000 spielsüchtigen Jugendlichen landesweit aus. Deshalb entscheiden sich immer mehr Rektoren für ein generelles Kartenspielverbot. So auch Leif Hildenbrant, Schulleiter eines Gymnasiums in Sollentuna bei Stockholm.

Pro und Contra Spielverbot

„Das Interesse ist enorm gestiegen, die Kanäle im Fernsehen sind ja voll davon. Auch in den Schulen werden Millionen von Kronen umgesetzt. Wir versuchen jedenfalls mit dem Verbot ein Zeichen zu setzen.“

Diese Massnahme stösst bei den Gymnasiasten nicht auf Gegenliebe. 

„Das Verbot ist lächerlich“, findet eine erboste Schülerin. „Das ist eine alberne kollektive Bestrafung. Die Schule packt die Symptome an, aber nicht das Problem.“

Für den Verfasser des „Pokerhandbuchs“, Dan Glimne, sind Probleme beim Spielen meistens individueller Natur. „Unser täglich Poker gib uns heute“, scheint denn auch die Devise des Pokerexperten zu lauten.

„Es gibt immer solche, die zuviel trinken, die nicht vernünftig Auto fahren oder zuviel essen. Trotzdem verkaufen wir weiterhin Lebensmittel. Sobald die kleinste Kleinigkeit auftaucht, die abhängig machen könnte, gibt es auch einen, der abhängig wird. Nur aufgrund des Verhaltens einiger weniger kann man nichts verbieten. Ausschlaggebend ist das Verhalten der breiten Masse.“

Schwedisches Glücksspielmonopol will mitmischen

An die breite Masse will ab März auch das schwedische Glücksspielmonopol „Svenska Spel“ heran. Bislang spielen die Schweden ihren Internetpoker nur auf ausländischen Seiten. Ende vergangenen Jahres dann gab die schwedische Regierung ihr „ja“ dazu, dass nun auch das heimische Monopol in der Internetpokerwelt mitmischen darf.

Als wichtigster Grund gilt die Sorge um die Süchtigen: Die staatliche Kontrolle soll die ungehemmte Spielsucht kanalisieren. So muss der geneigte Zocker das 18. Lebensjahr erreicht haben und vor Spielbeginn eine Summe festlegen.

Gleichzeitig sind auch der schwedischen Regierung und dem Glücksspielmonopol die Zahlen bekannt. Einen Umsatz von täglich bis zu eineinhalb Millionen Euro möchte sich wohl niemand entgehen lassen.

Liv Heidbüchel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".