Proteste gegen Mohammed-Karikaturen gehen weiter

Die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ hören nicht auf. Die palästinensischen Al-Aksa-Brigaden erklärten heute Dänen und Bürger anderer Länder, in denen die Karikaturen veröffentlicht wurden, zu Zielen bewaffneter Aktionen. In Schweden geht die Diskussion darüber, wie man auf die Entwicklung reagieren sollte, verstärkt weiter. Die grossen schwedischen Zeitungen haben beschlossen, die Karikaturen nicht zu zeigen.

Die Zeitung „Dagens Nyheter“ und andere schwedische Blätter haben entschieden, anders als grosse Zeitungen mehrerer europäischer Länder die umstrittenen Mohammed-Karikaturen nicht zu veröffentlichen. Chefredakteur Jan Wifstrand erläuterte den Lesern den Beschluss so:

„Es geht dabei nicht darum, ob man es nicht wagt, die Bilder abzudrucken. ‚Dagens Nyheter’ tritt für eine sehr breite Meinungsfreiheit ein. Gleichzeitig ist es aber wichtig, in dieser aufgeheizten Debatte vernünftig zu handeln und selbständige Entscheidungen zu treffen.“

Auch Peter Melin, Chefredakteur des „Sydsvenska Dagbladet“ entschied gegen den Abdruck der Karikaturen und begründete das so: “Ich empfand die Veröffentlichung von ‚Jyllands-Posten’ als Provokation, und ich sehe keinen Anlass, sie zu unterstützen.“

Ministerpräsident Göran Persson wurde gefragt, wie er die Entwicklung beurteilt. Der Regierungschef antwortete, sein dänischer Amtskollege habe die Sache wohl unterschätzt. Persson sagte auch, was er an Fogh Rasmussens Stelle tun würde:

„Ich würde eine diplomatische Offensive starten und knallhart klar machen, was in Dänemark gilt, aber ich würde auch klarstellen, dass weder dänische Medien noch dänische Politiker eine andere Religion verhöhnen wollen.“

Fredrik Reinfeldt, der Chef der konservativen Oppositionspartei, äusserte sich skeptisch zur Haltung der schwedischen Presse. Auf die Frage, ob er die Entwicklung für problematisch hält, sagte Reinfeldt:

„Absolut. Es besteht die Gefahr, dass wir zurückweichen und Angst haben, für die Grundfesten unserer Demokratie und Meinungsfreiheit einzustehen.“

Dabei hatte Schweden mit der Karikaturen-Affäre ursprünglich gar nichts zu tun. Helena Benouda vom Islamischen Rat in Dänemark hat eine Erklärung dafür, dass die erbosten Moslems ihre Drohung auf Schweden ausgedehnt haben:

„Ich glaube, es gibt da ein Missverständnis: In manchen Teilen der Welt weiss man nicht, dass Skandinavien aus verschiedenen Ländern besteht. Für die Menschen dort sind Dänemark und Schweden fast das selbe.“

Sowohl Dänemarks Regierungschef als auch „Jyllands-Posten“ haben inzwischen um Entschuldigung dafür gebeten, dass die Mohammed-Karikaturen die Gefühle gläubiger Muslime verletzt haben. Bleibt zu hoffen, dass die Botschaft bei denen, die sie hören sollen, doch noch ankommt.

Klaus Heilbronner

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