Freitagsgebete mahnen zur Besonnenheit

Die Proteste gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen reissen nicht ab. Weiterhin weigert sich die dänische Regierung, die Veröffentlichung der Zeichnungen zu entschuldigen. Doch den Verweis auf die Pressefreiheit wollen nach wie vor viele Muslime, besonders in der arabischen Welt, aber auch in Indonesien, nicht gelten lassen. Morddrohungen, geschlossene Botschaften und Boykottaufrufe spitzen den Konflikt immer mehr zu. Mit Spannung wartete man deshalb allerorts auf die heutigen Freitagsgebete. So auch in Schweden.

Fast 200 Gläubige hatten sich in der Moschee im Stockholmer Vorort Jakobsberg versammelt. Wie würde sich ihr Imam Muhammed Se Aid Al-Waizi in seiner Ansprache zu den Karikaturen stellen?

„Wir werden Dänemark in keiner Weise angreifen“, betont der Imam. „Aber wir werden alle legalen und logischen Mittel benutzen, die uns zur Verfügung stehen, um unsere Religion zu verteidigen.“

Aufruf zur Besonnenheit

In der gesamten Predigt fielen keine aggressiven Sätze. Im Gegenteil rief Imam Al-Waizi seine Glaubensgemeinschaft zu Ruhe und Besonnenheit auf. Ausserdem distanzierte er sich von den hitzigen Drohungen gegen Dänen und Norweger, die in etlichen muslimischen Ländern das Tagesgeschehen dominieren.

Einen schärferen Ton schlug da schon der Imam in Malmö an. Jonus Latifov warf der dänischen Jyllands-Posten vor, die Pressefreiheit zur Volksverhetzung ausgenutzt zu haben. Vom Chefredakteur des Blattes sowie vom dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen forderte der Imam „eine ehrliche und aufrichtige Entschuldigung“.

Freie Meinungsäusserung darf nicht verletzen

Sowohl in Malmö als auch in Stockholm stand der Dialog im Vordergrund des Freitagsgebets. Viele Besucher des Gottesdienstes in Stockholm sind noch immer gekränkt durch die Darstellungen ihres Propheten. So auch Husam Ansari:

„Die Sache ist die: Zu einer Demokratie gehört das Recht auf freie Meinungsäusserung, aber eben auf eine zurückhaltende Art und nicht so, dass man die Rechte und Symbole anderer verletzt.“

Tatsache ist, dass sich sowohl der Chefredakteur von Jyllands Posten als auch Ministerpräsident Rasmussen entschuldigt haben – und zwar genau dafür, dass sich viele Muslime von den Karikaturen gekränkt fühlten. Nicht entschuldigt haben sich Zeitung und Regierung für die Veröffentlichung – unter Verweis auf die Pressefreiheit. Abdu Jhabar Amini genügen diese Entschuldigungen nicht: 

„Mit freier Meinungsäusserung hat das nichts zu tun. Die Entschuldigung nehme ich denen nicht ab. Eine richtige Entschuldigung war das auch nicht.“ 

So scheinen sich trotz der beruhigenden Worte der Imame die Wogen längst nicht geglättet zu haben. Die Spannungen bestehen auch in Schweden weiter.

Liv Heidbüchel

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