Muslim-Proteste treffen Arla

Eigentlich hat Schweden mit dem Konflikt um die dänischen Mohammed-Karikaturen nichts zu tun. Dennoch erreichen die Ausläufer des Proteststurms auch den grossen Nachbarn Dänemarks. Schwedische Auslandsvertretungen waren schon Ziele von Übergriffen, und nun drohen auch wirtschaftliche Auswirkungen. Klaus Heilbronner:

Die Proteste erboster Muslime in aller Welt gegen die als Schmähung empfundenen Karikaturen des Propheten Mohammed dauern an. Zusätzlich reagieren muslimische Führer mit Boykott-Massnahmen gegen Firmen mit dänischer Beteiligung. Eines dieser Unternehmen ist der dänisch-schwedische Meiereikonzern Arla. Die Milchprodukte des Agrar-Grossbetriebes werden inzwischen von 14 Ländern im Nahen Osten und in Nordafrika boykottiert. Das bedeutet nach Angaben des Unternehmens zur Zeit Einnahmeverluste von täglich umgerechnet mehr als einer Million Euro. Die Firmenleitung prüft deshalb, ob das Unternehmen den angeschlossenen Landwirten weiterhin den bisher geltenden Milchpreis zahlen kann. Arla-Vorstandssprecherin Katarina Malmström:

„Ich weiss, dass der Vorstand sein Äusserstes tut, den Milchpreis zu halten, aber das hier ist eine sehr, sehr kritische Situation, und ich hoffe, dass das unseren Milchbauern klar ist.“

Welche Auswirkungen die Karikaturen-Affäre haben kann, zeigt das Beispiel einer kleinen Firma im südschwedischen Ljungby. Der Betrieb erhielt Boykottdrohungen, weil er für die Herstellung seiner Ölbrenner auch Teile aus Dänemark verwendet. Daraufhin kündigte das Unternehmen die Zusammenarbeit mit dem dänischen Zulieferer.

Die schwedische Politik bemüht sich inzwischen weiterhin um Besänftigung.Aussenministerin Laila Freivalds verwies auf die Rolle der Botschafter des Landes:

„Sie vertreten ja in vollem Masse das schwedische Modell mit Meinungsfreiheit und Pressefreiheit, und sie können wirksam vermitteln, wofür Schweden steht und was das bedeutet.“

Der Chef der konservativen Oppositionspartei, Fredrik Reinfeldt, formulierte seine Erwartungen an die Politik der Regierung:

„Ich finde es wichtig, dass die Regierung nicht so tut, als sei Schweden Hauptziel der Kritik, damit wir uns nicht in einen Konflikt verwickeln lassen, mit dem wir nichts zu tun haben. Wir dürfen auch nicht akzeptieren dass Dänemark als Nation kritisiert wird, sondern wir sollten sagen, wie es ist, nämlich, dass es sich um eine einzelne Entscheidung handelt, etwas zu veröffentlichen.“

Der schwedische Generalkonsul in Istanbul, Ingemar Karlsson, wertete die teilweise gesteuerten Protestaktionen als Versuche einzelner Regime, von eigenen Problemen abzulenken. Der Stockholmer Regierung riet Karlsson, der Krise mit Besonnenheit zu begegnen und:

„…und nicht in die Falle zu gehen, indem man das Ganze als eine Art Krieg der Zivilisationen ansieht, denn das ist es nicht.“

Islam-Experten meinen, dass sich am Donnerstag zeigen wird, ob sich der Konflikt womöglich noch verschärft. An diesem Tag gedenken Muslime in aller Welt der Schlacht von Kerbala, wo im Jahr 680 Imam Husain, ein Enkel Mohammeds, als Märtyrer fiel.

                    

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