Militärmaschinen sollen bedrohte Schweden heimholen - Islamische Botschafter bei Freivalds - Friedliche Muslim-Demo in Stockholm

Auch heute gab es wieder Proteste gegen die Mohammed-Karrikaturen weiter. In Afghanistan starben mehrere Menschen bei Tumulten vor einem US-Stützpunkt. Und auch im Westjordanland kam es zu neuen Gewaltausbrüchen: In Hebron griffen etwa 300 vor allem jugendliche Palästinenser den Sitz einer internationalen Beobachtermission an, auf der auch 12 Schweden stationiert sind.

Das schwedische Verteidigungsministerium trifft wegen der zum Teil gewalttätigen Proteste gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen Massnahmen, um im Ausland bedrohte Schweden rasch in Sicherheit bringen zu können.. Generalleutnant Jan Jonsson vom Einsatzstab der Armee teilte mit, dass vier Hercules-Flugzeuge bereit stehen, um notfalls sofort zu starten. Jonsson sagte, solche Aktionen seien nicht nur für schwedische Soldaten geplant. Auch schwedische Zivilisten, die im Ausland schutzlos Übergriffen ausgesetzt seien, könnten mit der Hilfe des Militärs rechnen.

Konkreter Anlass für die Vorbereitungen war der Angriff erboster Muslime auf den Stützpunkt der internationalen Friedenstruppe ISAF in Maimana in Afghanistan. Dort sind norwegische, finnische und schwedische Soldaten gemeinsam stationiert. Jonsson schilderte Einzelheiten des Zwischenfalls:

„Alle mussten sich gegenseitig helfen, ihren Stützpunkt gegen die eindringenden Demonstranten zu verteidigen, die mit Handfeuerwaffen auf die Soldaten schossen. Es wurden mindestens zwei Handgranaten geworfen. Die Lage war zeitweise sehr kritisch, aber es gelang, die Angreifer mit Hilfe afghanischer Polizei zurück zu drängen.“

Der General wollte nicht ausschliessen, dass es zu weiteren Zusammenstössen kommen könnte:

„Wir wissen dass uns am Donnerstag ein muslimischer Feiertag bevorsteht. Danach gibt es die Freitagsgebete, und viele Beobachter glauben, dass es eskalieren könnte, zumindest bis Freitag, aber es wird wichtig sein, wie es danach weitergeht.“

Aussenministerin Laila Freivalds empfing unterdessen in Stockholm die Botschafter von 16 islamischen Ländern zu Beratungen über den Konflikt. Zum Inhalt der Unterredungen sagte sie:

„Es ging um die Situation, die wir gerade haben, und ich bekam die Gelegenheit zu erläutern, wie die Gesetzgebung in Schweden aussieht, die Pressefreiheit und die Meinungsfreiheit, die wir haben. Aber ich konnte auch klarmachen, wie wichtig es ist, dass unsere Botschaften und Auslandsvertretungen sorgfältig geschützt werden, und dass wir nicht akzeptieren können, dass sie Gewalt ausgesetzt werden.“

Als Sprecher der islamischen Diplomaten schlug der Botschafter des Iran, Mahmoud Bayat, einen versöhnlichen Ton an:

„Wir als islamische Botschafter haben betont, dass wir im Einklang mit internationalen Verpflichtungen und Gesetzen die Freiheit der Meinungsäusserung respektieren sollten; ebenso sollte es Respekt vor Religion geben, und wir sollten alle Arten von Diskriminierung und physischen und psychologischen Verletzungen vermeiden.“

Dass das durchaus funktionieren kann, war am Nachmittag in Stockholm zu sehen: Rund 400 muslimische Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt und skandierten „Frieden, Respekt, Gerechtigkeit“. Auf Transparenten standen Parolen wie „Ja zum Dialog, Nein zu Kränkungen“ und „Zusammenleben - Ja, Hetze gegen Volksgruppen - Nein“.

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