Die schwedischen Stadtimker von Bee Urban vermieten Bienenstöcke an Unternehmen in Schweden (Foto: Liv Heidbüchel/Radio Schweden)
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Josefina Oddsberg von Bee Urban bezeichnet sich selbst als Bienen-Nerd und findet, Bienen sind so tolle Haustiere wie jedes andere Tier auch (Foto: Liv Heidbüchel/Sveriges Radio)
Schwedens Bienen brauchen mehr Wildblumen am Ackerrand (Foto: Liv Heidbüchel/Radio Schweden)
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So lieben es Bienen: Futter, so weit das Auge reicht (Foto: Liv Heidbüchel/Sveriges Radio)
Auf Gotland wachsen an den Strassenrändern viele Wildblumen - gut fürs Ökosystem (Foto: Liv Heidbüchel/Radio Schweden)
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Die Straßenverkehrsbehörde hat besondere Auflagen, wie die Wegränder auf Gotland am besten zu pflegen sind (Foto: Liv Heidbüchel/Sveriges Radio)
Foto: Eleonor Norgren/Sveriges Radio
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Bienen - eine extrem wichtige, aber leider bedrohte Spezies (Foto: Eleonor Norgren/Sveriges Radio)
Hintergrund Bienenschutz

Schwedische Initiative für Bienen-Patenschaft

5:32 min

Die Berichte über das weltweite Bienensterben sind auch in Schweden nicht ungehört verhallt. So gibt es etwa eine Organisation, die an Unternehmen und Eigentümergemeinschaften Bienenstöcke verleiht und diese auch fachgerecht pflegt. Vor allem haben die Bienen-Lobbyisten eine pädagogische Mission, die selbst im naturnahen Schweden offenbar nötig ist.

Für die Produktion von einem Kilo Honig absolviert ein Bienenvolk zwischen vier und fünf Millionen Reisen zwischen Blüten und Stock und bestäubt dabei unablässig und so ganz nebenbei. Ungefähr 80 Prozent aller Pflanzen weltweit sind auf die Arbeit von Bestäubern angewiesen oder verbessern zumindest dadurch ihren Ertrag. Schätzungen des BUND etwa gehen von einer europaweiten Insekten-Bestäuberleistung im Wert von 14,2 Milliarden Euro aus - jährlich.

Leere Teller ohne Bienen

Die Bienen sind durch ihre bloße Anzahl im Vergleich zu Schmetterlingen, Käfern und Hummeln so etwas wie die Drahtzieher dabei. Wenn nun die Bienen kränkeln oder vorzeitig sterben, hat das verheerende Folgen für die gesamte Nahrungskette. Mehr als vielen Schweden bewusst ist, meint Lars Hellander, Vorstandsmitglied beim schwedischen Imkerbund Biodlarnas Riksförbund. Er macht im Gespräch mit Radio Schweden keinen Hehl aus seiner Verwunderung darüber, dass er selbst Landwirte immer wieder über ihre Abhängigkeit von den Bienen aufklären muss.

„Wie sieht denn dein Frühstück ohne das Zutun von Bienen aus? Dürftig! Knäckebrot und Müsli vielleicht, aber kein Käse, keine Milch, keine Butter, nichts dergleichen. Das liegt an dem Kraftfutter, wie Bohnen zum Beispiel, die bestäubt werden müssen, sonst werfen sie nichts ab."

Bienenpaten mitten in der Stadt

Den Bienen geht es weltweit an den Kragen. Geplagt von Viren, Milben und Pestiziden in zunehmend von Monokultur dominierter Landwirtschaft kämpfen sie ums Überleben - Honigbienen genauso wie Wildbienen. Dieses Wissen hat sich im vergangenen Jahrzehnt auch außerhalb von Umweltaktivistenkreisen herumgesprochen, und in der Folge haben sich vielfach Initiativen zur Rettung der Bienen gegründet.

In Schweden kümmert sich die Organisation Bee Urban darum, vor allem bei Unternehmen und Gemeinden Bienenpaten zu finden - und so Bienen ein neues Zuhause irgendwo in der Stadt zu geben. Ungefähr einmal pro Woche muss jemand nach den vermieteten Bienenstöcken sehen, eine dieser Bienen-Betreuerinnen ist Josefina Oddsberg.

„Bienenstöcke machen Spaß und wecken Interesse. Die Natur zu erleben und sich zu engagieren sollte aber nichts Zeigefingerhaftes haben", erklärt Oddsberg gegenüber Radio Schweden. „Wir meinen, dass man nur etwas verändern kann, wenn man mit Freude dabei ist und auch das Gefühl hat, dass man Einfluss nehmen kann. Wenn es zu bedrückend und schwierig ist, neigt man dazu, sich machtlos zu fühlen, was zu Tatenlosigkeit führt."

Monokulturen haben ihren Preis

Die Hauptprobleme für die Bienen liegen in der heutigen Landwirtschaft. Riesenareale, die mit Monokulturen bepflanzt und regelmäßig mit Giften besprüht werden, sind vor allem in den USA gang und gäbe. Aber auch in Südschweden gibt es Josefina Oddsberg zufolge zu viele Äcker ohne andere Blütenpflanzen drum herum.

„Zunächst mal müssen wir mit dem Besprühen der Pflanzen mit Insektenschutzmitteln aufhören. Dann brauchen die Bienen die ganze Saison über Nahrung, auch wenn die Ackerpflanze verblüht ist. Man darf die Landschaft nicht sterilisieren, sondern Bienen brauchen es wild und auch mal verwuchert, mit herumliegendem Holz und etwas Unordnung, damit sie sich wohlfühlen."

Wegränder mit einer großen Pflanzenvielfalt sind aber auch in Schweden selten geworden - mit Ausnahme Gotlands. Dort gehören die Wildblumen noch zum Straßenbild, die Straßenverkehrsbehörde hat sogar besondere Richtlinien für die Pflege der gotländischen Wegränder. Für Bienen ein Paradies.

Aufklärung für den Stadtmenschen

300 Arten Wildbienen leben noch in Schweden, 40 Prozent von ihnen stehen auf der roten Liste der bedrohten Arten. 15 Arten sind bereits ausgestorben, meint Josefina Oddsberg von Bee Urban bedauernd. Das Aufstellen von zwei, drei Bienenkörben in einem Wohngebiet löst das globale Problem des Bienensterbens zwar nicht unmittelbar, meint sie.

„Dafür hat ein Bienenstock auf einem Dach oder in einem Innenhof eine enorme pädagogische Bedeutung. Die Bienen helfen bei dem generellen Problem in der Stadt, dass die Menschen immer weniger Kontakt zur Natur haben. 60 Prozent der globalen Bevölkerung leben inzwischen in Städten. Je weniger wir mit der Natur und den Ökosystemen zu tun haben, umso schwerer vermittelt sich die Verwundbarkeit dieser Systeme und umso schwerer fällt es, die richtigen Entscheidungen zum Naturschutz zu fällen."

Lars Hellander vom Imkerbund teilt die Faszination für die Bienen. Seit Jahrzehnten ist er selbst als Imker aktiv und ihn freut, dass seine Organisation nicht mehr nur Herren reiferen Alters anspricht. Die Hälfte der Neuzugänge bei den Imkern sind inzwischen Frauen und Jüngere.

„Man wird von Ehrfurcht erfüllt, wenn man mit Bienen arbeitet", sagt Hellander. „Wenn man sich mit ökologischem Anbau befasst, ändert sich die Einstellung zu dem großartigen Zusammenspiel in der Natur. Die Bienen leisten einen Dienst innerhalb des Ökosystems, der weit über Honig hinausreicht."

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