Die Regierung schaut sich das Angebot erneut an (Foto: TT)
Immer mehr Menschenhandel?

Regierung lässt Prostitution erneut untersuchen

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Schwedens Regierung möchte gerne wissen, wie umfassend die Prostitution hierzulande ist. Deshalb hat Gleichstellungsministerin Maria Arnholm die Provinzialverwaltung in Stockholm mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragt. Bereits 2007 hatte es eine ähnliche Revision gegeben. Die Experten gehen jedoch davon aus, dass sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat.

Prostitution selbst ist in Schweden nicht strafbar, wohl aber der Kauf von sexuellen Dienstleistungen. Auf diese Weise soll dem Trafficking, dem Handel mit Menschen, ein Riegel vorgeschoben werden. Inzwischen schielen Länder wie Frankreich und Deutschland nach Schweden, um ihre eigene Gesetzgebung anzupassen, wenn auch in modifizierter Form.

In Schweden haben sich die Meldungen über Trafficking, Festnahmen und Prozesse gegen Menschenhändler gehäuft. Anlass für Gleichstellungsministerin Maria Arnholm, das Thema erneut untersuchen zu lassen:

„Die letzte Untersuchung ist ja bald sieben Jahre her. Auf dem Gebiet der Prostitution verändert sich da viel: wo sie vorkommt, wer die Käufer sind, wer die Verkäufer. Um die Prävention und den Schutz der Opfer weiterentwickeln zu können, und auf beste Art und Weise dagegen kämpfen zu können, müssen wir mehr wissen. Wissen ist immer ein notwendiger Ausgangspunkt bei der Kriminalitätsbekämpfung.“

300 Prostituierte im Jahr 2007

Als 2007 die letzte Untersuchung dieser Art durchgeführt wurde, gaben zwei Polizeidistrikte an, dass sie von Personen, die sexuelle Dienste gegen Bezahlung anbieten, wüssten. Zehn Distrikte vermuteten, dass Prostitution vorkommt; sieben hatten geantwortet, dass es dies dort nicht gebe. Die Experten schätzten damals, dass ungefähr 300 Personen auf den Straßenstrichs von Stockholm, Göteborg und Malmö arbeiteten.

Jetzt hat die Provinzialverwaltung in Stockholm den Auftrag erhalten, die Situation neu zu bewerten. Laut Angaben des Schwedischen Rundfunks gibt es dort besondere Kompetenzen. Ministerin Arnholm vermutet, dass der Menschenhandel stark zugenommen hat – trotz der schwedischen Gesetzgebung:

„Wir gehen davon aus, dass noch mehr junge Frauen und Männer hierher gezwungen werden“, sagt Arnholm. Erst im vergangenen Monat wurde in Stockholm der Prozess gegen zwei Männer eröffnet, die angeklagt werden, junge Frauen aus Rumänien hierher gebracht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Unlängst berichtete die Tageszeitung Dagens Nyheter darüber, dass Bettler aus Rumänien regelmäßig nach Sex gegen Bezahlung gefragt würden.

Polizei schaut zu

Gleichzeitig gibt es Medienberichte, wonach die Polizeibehörden in Göteborg, Malmö und Stockholm der Prostitution nicht mehr ihre volle Aufmerksamkeit widmen, obwohl sie sich in Form von Anzeigen im Internet und auf den Straßen vor ihren Nasen offenbart. Auch hier möchte Ministerin Arnholm genauer hinsehen:

„Wie die Arbeit der Polizei besser organisiert werden kann, ist ein typisches Beispiel dafür, wie wir mit den neu gewonnen Kenntnissen weiterkommen können.“

Die Untersuchung soll der Regierung in einem Jahr vorgelegt werden. Dann wird über neue Vorgehensweisen und vielleicht auch über Gesetzesänderungen entschieden.

Simon Andrén/Dieter Weiand

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